Das Sebastian-
Kurz-Paradoxon

Leserbriefe / 29.04.2022 • 17:40 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Die aktuelle Diskussion um die Ehrenhaftigkeit der (Bundes+Landes) ÖVP im Allgemeinen, vor allem aber um die Heftigkeit der Diskussion im Ländle bezüglich der Inseratenaffäre im Besonderen, müsste eigentlich erstaunen. Solche Malversationen sind doch nicht neu, auch beileibe nicht exklusiv der ÖVP zuzuordnen. Vor noch nicht allzu langer Zeit wären sie einfach als ‚hässliche Sünden’ auf der Politiksuppe kurz oben geschwommen und dann untergetaucht. Was hat sich also geändert? Geändert hat sich zum einen das Ausmaß der Verfehlungen, zum anderen die Dreistigkeit, die Unverschämtheit des Vorgehens. Es scheint so, als sei das Unrechtsbewusstsein verloren gegangen, als ob die Politik und ihre Akteure nicht mehr der Republik dienen, sondern sich mehr nur an ihr bedienen. Die reine Umfragewertepolitik mittels korrumpierter Medien unseres Ex-Bundeskanzlers Kurz samt seiner Entourage mit deren bekannt gewordenen tausenden verabscheuenswerten Chats, strotzend vor Verachtung von Volk und Parlament, war plötzlich für jedermann sichtbar. Das, so scheint mir, war quasi das Erweckungserlebnis und hat zur offensichtlich breiten Sensibilisierung bezüglich Recht und Unrecht in der Politik geführt. Paradoxerweise müsste man Kurz für diese Erweckung durch Schamlosigkeit noch dankbar sein. Aufklärung, Bewusstmachung und Besserung in der Zukunft muss die Lehre daraus sein – für alle!

Anton Hengl, Lauterach