Der Mann, der die Welt verändert hat

Leserbriefe / 04.09.2022 • 17:17 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Zum VN-Bericht vom 1.9.2022:

Michail Gorbatschow, der für den Fall des Eisernen Vorhangs gesorgt hat, war der Vater von Glasnost und Perestroika. Er wurde dafür im Westen gefeiert, in Russland wurde er aber als Totengräber der Sowjetunion beschimpft. Er hat die russischen Soldaten in der DDR bei den Demonstrationen in den Kasernen gelassen und mit der Aussage an die DDR-Führung, „Gefahren lauern nur auf jene, die nicht auf das Leben reagieren“ das Ende der DDR eingeleitet. Er war verantwortlich für das Abrüstungsabkommen, das die strategischen Atomwaffen und Streitkräfte in Europa reduziert und das Wettrüsten beendet hat. Dafür wurde der freundliche und gutgläubige „Gorbi“, der die russische Handschlagqualität vertrat, vom damaligen deutschen Bundeskanzler Kohl bei der Rückgabe der DDR an die BRD mit Almosen und Versprechungen, wie keine Osterweiterung der Nato, über den Tisch gezogen. Bei meinem damaligen neunjährigen Aufenthalt in Russland waren die Russen noch der Meinung, dass jetzt der Westen und Osten Freunde sind, sie ihre Rohstoffe exportieren und dafür die westlichen Technologien importieren. Als die Russen, die damals von einem EU-Beitritt träumten, begriffen, wie der westliche Kapitalismus funktioniert, war die Nato bereits an ihrer Außengrenze. Das Ergebnis der ungenutzten historischen Möglichkeit eines dauerhaften Friedens sieht man jetzt in der Ukraine.

Alfred Fuchs, Dornbirn