Verdunstung am Rhein

Leserbriefe / 28.09.2022 • 17:13 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Frau Herrenkind hat in ihrem Leserbrief vom 24. 9. 2022 die Frage gestellt, ob die Klimaveränderung beim Hochwasserschutzprojekt Rhesi berücksichtigt worden sei. Zudem befürchtet sie, dass die Verbreiterung des Rheins eine zusätzliche Verdunstung bewirke und der Rhein austrocknen könnte. Diese Fragen wurden bereits intensiv diskutiert und ich kann dazu Folgendes berichten: Die Klimaforscher in Österreich und in der Schweiz gehen davon aus, dass sich die mittleren Niederschlagsmengen und damit die Abflüsse am Alpenrhein übers Jahr gesehen nur geringfügig ändern (ca. -5 bis -10 %). Extremereignisse werden aber stärker ausfallen (um ca. 10 bis 20 %). Die geplante Erhöhung der Abflusskapazität von 3100 auf 4300 Kubikmeter pro Sekunde ist somit aus dieser Sicht sinnvoll und notwendig. Bezüglich der Verdunstung lässt sich folgendes festhalten: Der Rhein wird künftig anders aussehen. Das Flussbett wird strukturreich und naturnah mit Flussarmen, die unterschiedlich tief sind. Wenn nur wenig Wasser abfließt, können einzelne Flussarme trockenfallen. Der Fluss zieht sich dann auf das tiefste Gerinne zurück und benetzt nicht mehr die ganze Breite. Die Wasseroberfläche wird bei gleicher Wassermenge kleiner sein als heute. Weniger Wasseroberfläche bedeutet auch weniger Verdunstung. Wenn der Rhein also in Hitzeperioden trockenfallen sollte, wird das keine Folge des Hochwasserschutzprojekts Rhesi sein.

Dr. Markus Mähr, ­Gesamtprojektleiter ­Rhesi, Internationale Rheinregulierung, St. Margrethen (CH)

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