Tierwohl?

Leserbriefe / 05.10.2022 • 17:52 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Zum Beitrag „Tierwohl ist und bleibt Menschenwohl“, VN vom 4. 10. 2022:

Der Ausdruck Tierwohl hat im Diskurs in den vergangenen Jahren die Begriffe „artgerecht“ und „tiergerecht“ abgelöst. Leider ist festzustellen, dass sich unter der Bezeichnung „Tierwohl“ zwar viele etwas vorstellen können, allerdings variiert diese Vorstellung auch dutzendfach und ist letztlich vor allem eines, nämlich ein Terminus der Verkaufsförderung. Der Artikel „Tierwohl ist und bleibt Menschenwohl“ (Basta!) vom 4. 10. 2022 proklamiert, dass Tiere keine Ware seien, berichtet aber einige Zeilen später von den Gendefekten zweier Hauskatzen (Mutter- und Tochterkatze). Das genau ist der springende Punkt. Grundsätzlich verpflichtet das österreichische Tierschutzgesetz Katzenhalter*innen seit 2005 zur Kastration ihrer freilaufenden Katzen. Es sei denn, sie werden zur „Zucht“ eingesetzt. Das Züchten mit Zuchtpathologien (Gendefekten) ist allerdings seither als Qualzucht verboten. Unwissenheit oder Ignoranz?! Gezüchtet wird dennoch weiterhin hauptsächlich auf Äußerlichkeiten. Während kurznasige Katzen- oder Hunderassen in den 1920er-Jahren noch als „entartet“ galten, sind sie heute en vogue. Deformierte Schädel, Faltohren, Haarlosigkeit u. v. m. sind Defektzuchten, die für die jeweilige Tierart und/oder Rasse zum Teil schwere Schäden und Leiden nach sich ziehen. Zuchtverbände sowie auch Züchter*innen aller erdenklichen Haustierarten „frankensteinern“ aber munter weiter, so dass die Tierarztpraxen mit der Schadensbegrenzung kaum mehr nachkommen. Tiere sollen anhand ihres Aussehens und passend zum Lebensstil ausgesucht werden. Tierwohl? Fehlanzeige!

Ulrike Schmid, MA, Götzis

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