Der ewige Wolf

Leserbriefe / 30.10.2022 • 17:23 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Zum Bericht „Wölfe könnten zur Bedrohung werden“, VN vom 29. 10.:

Vernichten ist eine Vokabel, die von den Bauernbundgranden nicht nur in all ihren sprachlichen Variationen ein- bzw. umgesetzt wird. Vernichtung scheint eine Spezialität, die am einfachsten zu realisieren ist. Dass sich der Lebensraum des Menschen mit jenem der wildlebenden Tierarten überschneidet, wird durch die Interessensvertreter schlicht nicht zur Kenntnis genommen oder schlimmer noch, verleugnet. Während die meisten Tierarten gelernt haben, sich irgendwie mit dieser aufrecht gehenden Spezies zu arrangieren und sie tolerieren, verweigert diese aufrecht gehende Spezies vice versa jegliche Form der Kooperation. Das wird sogar jenen verwehrt, die wollten. Wer beispielsweise eine Ausbildung zur Schafhirtin inklusive funktionierender Herdenschutzmaßnahmen absolvieren möchte, muss dazu nach Landquart in die Schweiz fahren. Die österreichische Landwirtschaftskammer (Stand: 29. 10.
2022) bietet diese Kurse nicht an. Es ist überflüssig zu erwähnen, dass Herdenschutz dieserart nicht gelingen kann. Die vielleicht größere Bedrohung für die Alm- und Weidewirtschaft ist womöglich die (schwarze) Agrarpolitik selbst. Der reale Wolf erfüllt eine wichtige Funktion im Ökosystem. Das belegen solide Erkenntnisse aus der Wissenschaft. Die problematischen und vagen Vorstellungen von einer angeb-
lich notwendigen Bestandskontrolle sind dem Bereich der Märchen zuzuordnen. Das betrifft allerdings nicht nur den Wolf.

Mit jeder Art, die durch die derzeitige Landwirtschaftslinie ausgerottet wird, stirbt ein weiteres Stück Biosphäre.

Ulrike Schmid, MA, Götzis

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