Transnistrien und Königsberg

Leserbriefe / 09.12.2022 • 17:37 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

In einem Westeuropa, das mit Ausnahme der Briten das strategische Denken verlernte, lohnt sich ein Rückblick in alte VN-Artikel. Otto Habsburg wies in seinen Warnungen den beiden Territorien Transnistrien und Königsberg immer wieder eine Schlüsselrolle zu. Letzteres ist eine auch mit Atomwaffen vollgestopfte russische Beute-Enklave, mit der Zentraleuropa ins Visier gerät. Transnistrien ist als abtrünnige Grenzregion der Republik Moldau (Moldawien) ein verlängerter Arm Moskaus. Es zeigt sich dem seltenen, freundlich empfangenen Besucher als sowjetnostalgisches Disneyland, wird aber vom mafiösen Sheriff-Konzern in Verbindung mit der Politik beherrscht. Nebst der Kolonialmentalität hinterließen die Sowjets Truppenteile und ein gigantisches Waffendepot. Hätte der russische Angriff auf die Ukraine funktioniert, wäre Transnistrien nach Ansicht vieler Militärexperten das Sprungbrett zur Einnahme der gesamten Moldau geworden. Schon 2014 bestand Gefahr, die Eroberungstaktik der einkassierten Krim auf Transnistrien zu übertragen. Wie die Bevölkerung Transnistriens – nebst Russen auch Ukrainer und rumänische Moldauer – heute über ihren langgehegten Anschlusswunsch an Russland denkt, ist fraglich. Vielleicht ist sie von der russischen Brutalität mittlerweile abgestoßen und wünscht sich ihre Zukunft zunehmend in Europa wie die Moldau, der Transnistrien staatsrechtlich angehört. Die Paneuropa-Union erhebt in ihrem 100. Gründungsjahr unter anderem eine Rückkehr von Königsberg nach Europa zum Ziel, selbstverständlich ohne „Spezialoperation“.

Gerald Grahammer,

Lustenau

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