Unsäglicher Selektionsdruck in den Volksschulen!

Leserbriefe / 22.12.2022 • 17:44 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
VN-Bericht vom 21. Dezember 2022.
VN-Bericht vom 21. Dezember 2022.

Zum VN-Bericht vom 21.12.2022 „Rüsten für den Andrang auf die Gymnasien“:

Diese Schlagzeile zeugt von der alljährlichen Schlacht um Gymnasialplätze. Ich wundere mich seit vielen Jahren, warum sich betroffene Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, die Wirtschaft, letztlich unsere Gesellschaft sich dieses unmenschliche Selektionsverfahren bieten lassen und nicht auf die Barrikaden steigen. Schließlich geht es um die Zukunft all unserer Kinder und damit unserer Gesellschaft. Wer immer noch glaubt, die Zeugnisnoten seien repräsentativ und aussagekräftig für die Leistung eines Kindes, der glaubt auch ans Christkind. Entlarvend ist die Haltung der interviewten Gymnasialdirektoren bzgl. Evidenz der Zeugnisnoten, die sie offensichtlich nicht ganz ernst nehmen. Aufgrund meiner 42-jährigen Unterrichtserfahrung weiß ich um die Notenlotterie. Und wenn sie auch noch ein Aufnahmeverfahren für 9-Jährige fordern, beweisen sie für mich nur, dass sie von den Volksschulrealitäten weit weg sind. Was mich besonders schmerzlich berührt, ist die Tatsache, dass die meisten Kinder schon in der Volksschule nur für eine Note lernen. Leider geht es überwiegend nicht um Neugier, Bildung oder Kompetenzerwerb fürs Leben, sondern um Anpassung an ein ausbeuterisches Gesellschaftssystem. Ich verstehe unter Bildung in erster Linie Resilienz, Eigenverantwortung, Selbständigkeit, Sozialkompetenz usw. Solche Tugenden sollen alle Kinder erlernen können, und zwar nicht, indem sie mit 10 Jahren getrennt werden, sondern in einer Gemeinsamen Schule, bis sie mit 15/16 Jahren dann selbst entscheiden können.

Prof. Mag. Peter Fischer,

Rankweil

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.