Das Märchen von der Abschaffung der
kalten Progression

Leserbriefe / 09.01.2023 • 17:46 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Die Politiker verkünden die Abschaffung der kalten Progression durch Senkung der Steuersätze und gestaffelten Gutschriften an die Steuerzahler. Wenn aber die Inflation hoch bleibt, stehen wir bald wieder vor dem gleichen Problem, dass jede Einkommenserhöhung überproportional von der Steuer weggesteuert wird. Wollte man die kalte Progression wirklich dauerhaft beseitigen, müssten man die Einkommensgrenzen, ab denen der jeweils höhere Steuersatz greift, der Inflation anpassen. Wenn heute das Existenzminimum bei 11.000 € liegt, die Versteuerung des Einkommens bis 18.000 mit 20 % angemessen ist, bis 31.000 mit 30% usw., dann müsste bei 10 % Inflation das Existenzminimum im nächsten Jahr bei 12.100 € liegen, der 20 %- Steuersatz wäre dann bis zu einem Einkommen von 19.800 €, der 30 %-Steuersatz bis zu einem Einkommen von 34.100 usw. anzuwenden.

Für eine solche Lösung braucht es keine Änderung der Steuergesetze, sondern nur einmal die Festlegung, welcher Index für die Valorisierung der Einkommensgrenzen gilt. Diese transparente Lösung passt leider nicht zur Arbeitsweise der parlamentarischen Demokratie. Hier verteilen Politiker ab und zu Geschenke aus dem Steuertopf, den die Steuerzahler selbst eingezahlt haben, nach dem Motto: Sind wir nicht gut zu euch, dafür müsst ihr uns auch wieder wählen.

Dr. Bernd Aberer, Götzis

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