Ein Refugium aus Stahlsaiten

Leserservice / 27.11.2019 • 16:14 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Elektrisierende Klänge, Musik voller Dynamik.mike zenari
Elektrisierende Klänge, Musik voller Dynamik.mike zenari

Der Pianist Martin
Kohlstedt mischt
Klavier mit Synthesizern und sprengt Grenzen.

20.30 Uhr, Spielboden, Dornbirn Der Konflikt steht Martin Kohlstedt ins Gesicht geschrieben. Dabei ist es egal, ob sich der Komponist und Pianist für einen Moment mit dem Publikum verbindet oder wieder in sein Refugium aus Klaviaturen für Stahlsaiten und Synthesizer versinkt. Kohlstedt, unübersehbar Bursche vom Thüringer Land, ist für die Energie und Unberechenbarkeit seiner Konzerte durchaus berüchtigt und hat es damit von der Russischen Staatsbibliothek über die iranische Talar-e Rudaki bis in den ausverkauften großen Saal der Hamburger Elbphilharmonie gebracht. Es gibt keine Werke, dafür kompositorische Versatzstücke, deren Kraft in dem Potenzial ihrer Kombinierbarkeit und Variationen liegt. Diese Module, wie Kohlstedt sie nennt, ergeben gerade in ihrer Verbindung unvorhersehbare Pointen und Konflikte.

Mit dem Album „Strom“ (2017) lösten sich die Schablonen der Bühnenfigur und ihres Instrumentes endgültig auf, in einem berauschenden Wirbel aus Klaviermelodien und elektronischen Landschaften. Es ist keine Grenze mehr auszumachen zwischen Neu und Alt oder zwischen analoger und digitaler Instrumentierung. Sound und Struktur treten hinter den Wunsch, Momente einfach zuzulassen. Das Ergebnis ist pure Dynamik, voll von monumentalen Verwerfungen und zarten Annäherungen, aber befreit von jeder Angst vor dem, was Klassik sein darf.