„Sturmreiter“ hetzte gegen Juden und leugnete Holocaust: Verurteilt

05.07.2013 • 20:01 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der unbescholtene Angeklagte legte ein reumütiges Geständnis ab, was ihn vor einer unbedingten Haftstrafe rettete. Foto: VN/ Steurer
Der unbescholtene Angeklagte legte ein reumütiges Geständnis ab, was ihn vor einer unbedingten Haftstrafe rettete. Foto: VN/ Steurer

32-Jähriger verbreitete nationalsozialistische Inhalte im Internet: ein Jahr bedingte Haft.

Christiane Eckert

Feldkirch. Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche tagte gestern das Schwurgericht am Landesgericht Feldkirch in Sachen „Verbotsgesetz“. Auf der Anklagebank: Ein 32-jähriger gelernter Bäcker, der zugibt, in einem rechtsradikalen Forum eifrig gepostet zu haben. Staatsanwalt Wilfried Siegele rechnet die 4835 Meldungen um und kommt auf über sechs Äußerungen pro Tag. Recht häufig ging es dabei um Leugnen des Holocausts. Sieben Einträge las der leitende Staatsanwalt gestern vor. „Holocaust, Betrug des zwanzigsten Jahrhunderts“, heißt es beispielsweise. „Befreite KZ-Häftlinge waren in körperlich gutem Zustand“, behauptet der Mann an anderer Stelle. „Die fotografierten Leichenberge waren in Wirklichkeit Deutsche, umgebracht von den Besatzungsmächten“, war der Mann zumindest damals überzeugt. Außerdem befand der Arbeitslose, dass Muslime, Juden und andere Ausländer rausgeworfen gehören, weil sie das deutsche Volk vergiften würden. Wer nicht freiwillig gehe, den könne man aushungern oder ausräuchern, so seine im Internet kundgetane Meinung. Er selbst loggte sich jeweils unter „Sturmreiter“ im Forum ein und verwendete SS-Runen in seinem Benutzernamen.

Gut besucht

Das 2007 gegründete Forum, dessen Betreiber sich „Stabsführer“ nennt, verzeichnet mittlerweile über 20.000 Mitglieder und eine Million Beiträge. „Man hat meinen Mandanten dort einer Gehirnwäsche unterzogen“, ist Verteidiger Bernhard Schwendinger überzeugt. „Ich war damals der Meinung, dass Geschichtsbücher gefälscht sind und der Holocaust eine Erfindung ist“, erklärt der Angeklagte. Heute habe er einen großen Bekannten- und Freundeskreis, dabei seien radikal Linke genauso vertreten wie andere politische Gesinnungen. „Die Skinheads waren mir immer zu gewalttätig, außerdem zu viel Alkohol“, macht er klar, dass er mit den Kahlgeschorenen nichts am Hut hat. Seiner Unbescholtenheit sowie dem reumütigen Geständnis hat es der Angeklagte zu verdanken, dass er nicht hinter Gitter muss. Das Urteil – 3600 Euro Geldstrafe plus ein Jahr Haft auf Bewährung – wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung und Verhetzung ist rechtskräftig.

Ich war der Meinung, dass Geschichtsbücher gefälscht sind und der Holocaust eine Lüge ist.

Angeklagter