Von Betrug und schmutzigen Tricks

Vorarlberg / 22.09.2016 • 22:49 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hannes Hausbichler verteidigt sein drastisches Vorgehen.  Foto: HRj
Hannes Hausbichler verteidigt sein drastisches Vorgehen. Foto: HRj

Rechtsanwältin klagt Männerservice-Gründer auf Ehrenbeleidigung und Unterlassung.

dornbirn. (VN-mm) Zu einem brisanten Duell könnte es am 18. Oktober im Landesgericht Feldkirch kommen. Birgitt Breinbauer, Rechtsanwältin und Präsidentin der Vorarlberger Rechtsanwaltskammer, hat den Gründer des Männerservice, Hannes Hausbichler, auf Ehrenbeleidigung und Unterlassung geklagt. Hintergrund ist ein Newsletter, in dem Hausbichler via E-Mail einen Scheidungsfall öffentlich machte und Breinbauer schmutzige Tricks sowie ein Vorgehen an der Grenze zum Betrug unterstellte. “Wenn er mich persönlich beleidigt, kann ich damit leben. Aber den Vorwurf eines strafrechtlich relevanten Verhaltens kann ich mir nicht gefallen lassen”, begründet Birgitt Breinbauer ihre Klage gegenüber den VN.

Eidesstattliche Erklärung

Konkret ging es um den Ehegattenunterhalt. Die Frau soll dem Mann angeboten haben, dafür in der Vereinbarung einen niedrigen Kindesunterhalt festzuschreiben. Laut Männerservice liegt die Tücke darin, dass der Ehegattenunterhalt später nicht mehr reduziert werden kann, der Kindesunterhalt sofort nach der Scheidung jedoch wieder erhöht werden kann. “Diese Geschichte ist völlig falsch dargestellt”, sagt Birgitt Breinbauer. Tatsächlich liegt eine eidesstattliche Erklärung der Ehefrau vor, laut der sie zu keinem Zeitpunkt versucht habe, ihren Mann zu einer freiwilligen Vereinbarung über Ehegattenunterhalt zu überlisten. Vielmehr habe sie ihm angeboten, weniger Unterhalt für sich zu verlangen, wenn er den Kindesunterhalt bei einem etwaigen von ihm angestrebten Studium weiterhin voll bezahle. Sie habe diesbezüglich aber keinen Rat von Frau Breinbauer eingeholt. “Sie hat mir auch zu keiner Strategie geraten und mir keine Tricks empfohlen”, heißt es in dem Schreiben, das den VN vorliegt, weiter. Und: “Es ist einfach gelogen, was in diesem Artikel des Männerservice behauptet wird.”

Formulierungen verteidigt

Der Mann hatte die Frau nach der Geburt der heute zweijährigen Zwillinge für eine neue Beziehung verlassen und im Scheidungsverfahren erklärt, keinen Unterhalt für seine Gattin bezahlen zu wollen. Was Breinbauer, wie sie im VN-Gespräch sagt, an der ganzen Sache besonders bedauert, ist, dass die Geschichte dieser Familie auf so ungute Weise in die Öffentlichkeit gezerrt wurde. Hannes Hausbichler sieht das naturgemäß anders. Er verteidigt die im Newsletter getätigten Formulierungen, denn er könne den Wahrheitsbeweis antreten. “Es geht mir nicht um die Person Breinbauer, sondern um ihre Methoden”, ergänzt Hausbichler. Die Anwältin kontert: “Anwälte haben parteilich zu sein. Sie müssen die Interessen ihrer Mandanten vertreten.” Auch in der Klagsschrift ist von kompromisslosem und nachhaltigem Einsatz die Rede. Den Vorwurf, betrügerisch zu agieren, will sie aber nicht auf sich sitzen lassen. Pikanterie am Rande: Breinbauer hat mehrfach auch die Kinder von Hausbichler über Auftrag seiner früheren Gattin in diversen Verfahren wegen Kontaktrechten, Obsorge und Unterhalt vertreten.

Hannes Hausbichler bezeichnet das als nicht relevant. Mit dem Männerservice-Report, der wöchentlich an rund 1100 Adressen geht, wolle er die Masse an Betroffenen darstellen, welche durch die Akteure im Familienrecht benachteiligt würden. “Es sind keine Einzelfälle, wie viele meinen”, rechtfertigt der Obmann der Männerpartei seine Aktion.

Birgitt Breinbauer zieht als Klägerin vor Gericht. Foto: vn
Birgitt Breinbauer zieht als Klägerin vor Gericht. Foto: vn