VN-Interview. Anne Klinge (45), Fußtheater und Regisseurin

„Was die Figuren sagen, fällt den Füßen selbst ein“

Anne Klinges Fuß und Hand bei „Der Fischer und seine Frau“. VN/Steurer

Anne Klinges Fuß und Hand bei „Der Fischer und seine Frau“. VN/Steurer

Die Kinderreporter aus Bludenz haben Anne Klinge, die Theater mit ihren Füßen macht, zum Interview gebeten.

Götzis Anne Klinges Fußtheater bewegt die Besucher der Buch am Bach. Die vier VN-Kinderreporterinnen aus Bludenz haben zuerst bei der Vorführung „Der Fischer und seine Frau“ interessiert zugesehen, wie die Künstlerin ihre Fußsohlen mit Pappnasen bestückt, ihren Zehen Perücken aufsetzt und ihren Fußknöcheln Kleidung umhängt. Im Anschluss haben die vier der gebürtigen Thüringerin (Deutschland) einige Fragen gestellt.

Seit wann machen Sie Fußtheater?

Klinge Mit 19 habe ich Pantomime begonnen und bin vor etwa 20 Jahren auf das Fußtheater gestoßen. Ich habe während des Studiums der Theaterwissenschaft mit Masken und Nasen herumexperimentiert und habe dann ausprobiert, wie das mit den Füßen funktioniert. Es gab ja niemanden, der mir das zeigen hätte können. Ich habe das Fußtheater im Prinzip erfunden. Soweit ich weiß, gibt es weltweit nur zwei Personen, die das Publikum auf diese Weise unterhalten.

Was bedeutet Spielen für Sie?

Klinge Spielen ist das Schönste auf der Welt. Für mich ist das immer wieder etwas Neues, da ich wechselnde Zuschauer habe und die auch anders reagieren. Die Freude, die die Zuschauer haben, spüre ich auf der Bühne und das macht mich dann auch sehr glücklich.

Haben Sie die Geschichten selbst geschrieben?

Klinge Ich habe fünf Kindergeschichten, die sich an verschiedene Märchen anlehnen. Allerdings kann ich mir nur Märchen aussuchen, in denen maximal zwei Figuren vorkommen. Ich habe ja nur zwei Füße. Die Dialoge für diese Stücke habe ich gemeinsam mit einem Autor neu geschrieben. Beim Spielen kann es allerdings sein, dass ich immer wieder neue Texte dazu erfinde. Heute habe ich beispielsweise ganze Textteile des Stücks improvisiert, weil ich es schon länger nicht mehr gespielt habe. Ich bin niemand, der Sachen gerne auswendig lernt. Ich versuche den Text mit meinem Körper in Einklang zu bringen, sodass sozusagen die Figuren die Handlung und den Text erfinden. Der Dialog, oder was die Figuren sagen müssen, fällt den Füßen selbst ein. Da muss ich nicht mehr mit dem Kopf denken, sondern das kommt aus meinem Körper heraus. So wird auf der Bühne alles viel lebendiger. Die Erwachsenenprogramme denke ich mir selbst aus, da gibt es keine Vorlage.

Woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Fußtheater-Stücke?

Klinge Ich denke gerne verrückt und quer. Aber grundsätzlich bringen mich Kinder auf die Ideen, auch meine beiden eigenen Kinder. Denn Kinder haben eine ganz tolle Eigenschaft und es ist auch gut, wenn sie diese möglichst nicht verlernen: Sie denken nicht immer ganz so logisch wie die Erwachsenen. So kann man Sachen erfinden, weil das Denken nichts verbietet. Es ist nichts eingeschränkt. So kann plötzlich in einem meiner Stücke eine Nase hören. Die Welt auf den Kopf stellen, das ist lustig. VN-PAG

Das Interview führten Lilly, Aleyna, Lena und Ayse Ecrin von der 3. Klasse der Volksschule Bludenz-Mitte.

<p class="caption">Anne Klinge mit den vier VN-Kinder­reporterinnen.  VN/Gunz</p>

Anne Klinge mit den vier VN-Kinder­reporterinnen.  VN/Gunz

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