Vorarlberger, über die man spricht. Elisabeth Kuster (24)

„Du zeigst es den Männern“

von Redaktion

Dieses Foto wird bald österreichweit zu sehen sein. Robert Maybach

St. Gallenkirch „Was, du bist Installateurin? Ich dachte, du bist Kosmetikerin.“ Wer Elisabeth Kuster kennenlernt, ist überrascht, dass sie einen Männerberuf ausübt. Denn die junge Frau ist zierlich und noch dazu bildhübsch. Mit ihren tiefbraunen Augen, ihren langen, dunklen Haaren, ihren vollen Lippen und ihrem makellosen Teint ist sie eine Schönheit. Nun wurde die Montafonerin von der Bundesinnung der Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker dazu auserkoren, österreichweit Werbung für den Berufsstand zu machen. Die neue Werbekampagne der österreichischen Installateure läuft gerade an. Das Konterfei der Vorarlbergerin wird bald in ganz Österreich auf Plakaten und in Fachzeitschriften zu sehen sein.  

Der Weg, den Kuster ging, war nicht immer einfach. Sie musste sich als Frau in einem typischen Männerberuf durchsetzen. „Manche Kollegen nehmen dich nicht für voll. Einer fragte mich, was ich auf der Baustelle verloren hätte. Er meinte, ich gehöre in die Küche.“ Kuster hat gelernt, solche beleidigenden Aussagen nicht persönlich zu nehmen. „Ich weiß, was ich kann und habe genug Selbstbewusstein, um das auszuhalten.“ Souverän meisterte sie alle Hürden auf dem Weg zu ihrem Traumberuf. Schon in der Hauptschule wusste das handwerklich begabte und technik-affine Mädchen, dass sie einmal in die Fußstapfen ihres Vaters Michael und ihres Ehnis Ernst treten möchte. Sie absolvierte im elterlichen Betrieb die vierjährige Lehre zum GWH-Installateur. „Papa hat mich nicht bevorzugt. Ich musste eher mehr arbeiten.“ In der Berufsschule, wo sie das einzige Mädchen war, zeichnete sie sich durch beste Noten aus. Auch im Schweißen war sie so gut, dass die Lehrer zu ihr sagten: „Wow, du zeigst es den Männern.“ Nach der Gesellenprüfung absolvierte Kuster die HTL in Jenbach, „obwohl ich Schule nicht mag und lieber arbeite“. Aber sie wusste, dass sie mit dem Schulabschluss befähigt ist, das Unternehmen ihres Vaters zu führen. Der denkt zwar noch nicht an die Pension, ist aber glücklich und stolz, dass sein Lebenswerk einmal von seiner Tochter fortgeführt wird.

In der HTL war die Montafonerin meistens die Klassenbeste. „Ich musste nicht lernen. Ich habe im Unterricht aufgepasst. Das hat gereicht.“ Für ihre Diplomarbeit bekam sie eine Eins und erhielt dafür sogar von der FH Kufstein einen Preis, den „Special Young Scientist Energy Award 2018“. Die Jury war unter anderem vom Thema und dessen Praxisbezug beeindruckt. Die junge Frau hatte ein Konzept für eine Nahwärmeanlage in Galgenul entwickelt. Kuster: „Diese Anlage wollen mein Vater und ich demnächst tatsächlich bauen.“

Die HTL-Absolventin findet es „cool“, dass ihr Konterfei bald in ganz Österreich zu sehen sein wird. Es bereitet ihr keine Sorge, dass man sie auf ihr attraktives Äußeres reduzieren könnte. Schließlich weiß sie, was sie drauf hat. VN-kum

Zur Person

Elisabeth Kuster

Geboren 4. Juni 1994

Ausbildung GWH-Lehre, HTL

Familienstand ledig

Hobbys Joggen, Wandern

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