Fast alle haben ein Nachwuchsproblem

von Redaktion

Fachkräftemangel: Auch in Vorarlberg sinkt die Zahl der 15-Jährigen. Was zu tun ist.

SCHWARZACH Unternehmen setzen alle Hebel in Bewegung, um Lehrlinge zu bekommen und allenfalls auch behalten zu dürfen. Das zeigt auch das aktuelle Tauziehen um Asylwerber, bei dem es um die Frage geht, ob sie mit einem negativen Bescheid gehen müssen oder bleiben dürfen. Viele Firmen antworten mit „Bleiben“. Kein Wunder: Fast ganz Österreich hat ein echtes Nachwuchsproblem. Die Zahl der 15-Jährigen sinkt alles in allem stark. Doch das sei absehbar gewesen, wie Alexia Fürnkranz-Prskawetz (51), Direktorin des Instituts für Demographie der Akademie der Wissenschaften, im Gespräch mit den VN erläutert. Umso verwunderlicher sei, dass man bisher nicht mit der nötigen Entschlossenheit darauf reagiert habe. Wie auch immer: Die Forscherin empfiehlt verstärkte Anstrengungen in sehr vielen Bereichen, von der Bildungs- über die Arbeits- und Integrations- bis hin zur Gesundheitspolitik.

2008 lebten österreichweit ziemlich genau 100.000 15-Jährige. Heute sind es keine 87.000 mehr. Dass es nicht noch weniger sind, ist der Zuwanderung und besonders der Entwicklung in Wien zu verdanken: Das ist das einzige Bundesland, in dem es zu einem Anstieg gekommen ist (plus vier Prozent auf 17.328). Sonst gab es überall einen regelrechten Einbruch. In Kärnten belief er sich gar um ein Viertel auf nur noch 5330. Vorarlberg liegt mit einem Minus von 12,8 Prozent auf 4353 im Mittelfeld.

Immense Herausforderung

Ausschlaggebend dafür ist vor allem der Geburtenrückgang. Zuletzt hat er sich zwar etwas entspannt, von den rein statistisch 2,1 Kindern pro Frau, die bei einer „Null-Zuwanderung“ notwendig wären, kann jedoch keine Rede sein; Bevölkerungswissenschaftler rechnen in der Hauptvariante ihrer Prognose damit, dass sich der Wert langfristig bei 1,6 einpendeln wird.

Die Entwicklung stellt eine immense Herausforderung für die gesamte Gesellschaft dar. „Bisher ist man ihr mit einer gewissen Ignoranz begegnet“, so Fürnkranz-Prskawetz. Jetzt, in Zeiten der Hochjunktur, ist sie jedoch unübersehbar geworden. Immer öfter ist von einem Arbeitskräftemangel die Rede. Die einen setzen auf Zuwanderung, die anderen (z. B. Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck) auf die Mobilisierung vorhandener Potenziale; Frauen und Ältere etwa, die noch nicht oder nicht mehr erwerbstätig sind.

Laut Alexia Fürnkranz-Prskawetz sollten alle Möglichkeiten genutzt werden: „Schon bei der Bildung müssen wir extrem investieren, damit alle mitgenommen werden, nicht nur die Besten.“ Zu viele Jugendliche gehen heute von der Schule, ohne schreiben und sinnerfassend lesen zu können. Weiter geht es der Expertin zufolge bei der Integration von Zugewanderten. Außerdem brauche es gesundheitspolitische Maßnahmen, die dazu beitragen, dass mehr Frauen und Männer länger arbeiten können. Auch mehr Kinderbetreuungsangebote seien nötig, um beiden Elternteilen eine Beschäftigung zu erleichtern. Nicht zu vergessen das Werben um qualifizierte Zuwanderer, meint Fürnkranz-Prskawetz: „Das wird jedoch auch nicht so ohne weiteres von Erfolg gekrönt sein, konkurrieren wir hier doch mit anderen Ländern, wie der Schweiz oder Deutschland, die dasselbe Problem haben und ebenfalls sehr lebenswert sein können.“ JOH

„Schon bei der Bildung müssen wir extrem investieren, damit alle mitgenommen werden, nicht nur die Besten.“

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