Kolumne

Monika Helfer

Ich auch

Ich, die ich Euch mit meinen Geschichten neben all den klugen politischen Kommentaren zu unterhalten versuche, muss es doch einmal sagen. Ja, ich bin auch Eurer Meinung, bin genauso empört wie Ihr über die Hassverbreiter und Zündler, die nichts lieber täten, als unser gutes Land in ein furchtbares zu verwandeln, die respektlos über Menschen urteilen und uns einzureden versuchen, dass wir Angst haben sollen.

Anstatt aufzustehen und die Politik wieder ins rechte Licht zu rücken, schläft der junge Kaiser. Er hält sich am liebsten im Ausland auf und reicht seine Hand. Kaiser Kurz ist eine Projektionsfläche und lässt uns glauben, dass er alles kann. Weil er nichts sagt, kann er nichts Falsches sagen. Wir legen unsere Wünsche in sein stummes Gesicht.

Zum Beispiel diese Geschichte: Unser Bundespräsident setzt eine Geste und besucht einen Lehrling. Daraufhin wird er von FPÖ-Klubchef Gudenus angezeigt, der dann verlauten lässt, es liegen bereits Anzeigen vor, der afghanische Lehrling sei ein Hisbollah-Fan, er habe auf seiner Facebook-Seite Sympathie für eine radikale Islamistengruppe geäußert.

Oder die Geschichte von Beate Hartiger-Klein, Sozialministerin, die behauptet, 150 Euro würden für Bezieher der Mindestsicherung ausreichen, um einen Monat zu leben (wenn die Wohnung bezahlt ist). Daraufhin wurde sie gefragt, ob sie sich zur Verfügung stellen wolle, um aufzuzeigen, wie sie es mit 150 Euro schaffe. Sie lehnte ab. Die Korrektur ihrer Aussage ist bezeichnend unmenschlich: Sie habe ja nicht die Einheimischen, also nicht Menschen von uns, gemeint, sondern die Migranten. Wer andere so offenkundig verachtet und der Niedertracht preisgibt, kann der mitfühlend mit den sogenannten eigenen Leuten sein?

Merken die FPÖ-Wähler nicht, wie ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen wird? Sie erhofften sich von dieser Partei Gerechigkeit. Du kriegst weniger, aber die Fremden in unserem Land kriegen noch weniger. So wird mit Hass Politik gemacht.

Was passiert mit den jungen Männern, von denen mehr als die Hälfte diese Partei gewählt haben? Ist ihnen bereits Gerechtigkeit widerfahren oder sind sie einfach damit zufrieden, wenn sie sehen, wie scheinbare Feinde vergiftet werden?

Ja, ich bin ein politischer Mensch, ich lese Zeitungen und verfolge, was geschieht. Ich überlasse kompetenten Menschen, darüber zu berichten. Verzeihen Sie mir meine Einmischung.

Aber einmal musste ich sagen, dass ich mich Ihrer Empörung anschließe.

Ja, ich auch.

Monika Helfer

monika.helfer@vn.at

Monika Helfer ist Schriftstellerin und lebt in Hohenems.

„Merken die FPÖ-Wähler nicht, wie ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen wird?“

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