VN-Interview. Christian Bernhard (54, ÖVP), Landesrat für Gesundheit und Kultur

„Ich verstehe die Emotion“

von Michael Prock

Bregenz Ein Thema beschäftigte den Gesundheitslandesrat Christian Bernhard in den vergangenen Monaten besonders: das Ende der Kinderonkologie in Dornbirn. Nun scheint eine Lösung greifbar zu sein. Selbiges gilt für die Kassenzusammenlegung, über die er heute, Mittwoch, in Wien mit den Ländern und der Ministerin verhandelt.

 

Wie geht es mit der Kinderonkologie weiter?

Bernhard Wir haben für Mitte Oktober eine Elterninformation geplant. Die Bemühungen laufen in die Richtung, dass das Land die Stadt möglichst unterstützt, damit Dornbirn viele kinderonkologische Tätigkeiten anbieten kann. Es sind vor allem finanzielle Dinge, bei denen das Land helfen kann. Das Konzept möchte ich zuerst mit den Eltern diskutieren.

 

Es ist ja eine sehr emotionale Diskussion. Müssen Sie sich vorwerfen lassen, zu lasch reagiert zu haben?

Bernhard Ich verstehe die Emotion. Es geht um Kinder und um die Schreckensdiagnose Krebs. Ich nehme an, dass sich einiges damit erklären lässt, was ich persönlich abkommen habe. Dass mit der laschen Reaktion ist ein Märchen. Ich kann nichts dafür, dass drei konkrete Kandidatinnen für diesen Job schwanger werden. Diesen Vorwurf kann man auch der Stadt Dornbirn nicht machen.

 

Hat das Land den Ärztemangel im Griff?

Bernhard Die Zahlen zeigen, dass Vorarlberg gut aufgestellt ist. Den Ärztemangel, der oft kolportiert wird, gibt es weder in den Krankenanstalten noch im niedergelassenen Bereich. Der Hausarzt als Einzelkämpfer hat in Zukunft wohl ausgedient, aber es wird neue Modelle wie Primärversorgungszentren geben.

 

Die gibt es aber noch nicht.

Bernhard Wir sind bei der Anzahl der Primärversorgungszentren nicht dort, wo wir hin möchten. Auf Bundesebene ist es da zu Verzögerungen gekommen. Zuerst hieß es, dass man die Möglichkeit, Ärzte bei Ärzten anzustellen, bald angehen würde. Ich denke, das könnte man in den nächsten Wochen auch tun.

 

Wie klappt die Zusammenarbeit mit der Gesundheitsministerin?

Bernhard Zu ihr habe ich ein gutes Verhältnis, wir können uns immer anrufen, wenn es ein Problem gibt. Ich erlebe sie persönlich nicht so, wie ich sie als Medienkonsument präsentiert bekomme.

 

Bei der Kinderonkologie ist sie Ihnen aber in den Rücken gefallen.

Bernhard In keiner Weise. Die Ministerin hat die Aussagen, die ihr von ihrer Landespartei zugeschrieben wurden, nicht getätigt.

 

Heute steigt die Sitzung zur Kassenreform. Bleiben Budget- und Verhandlungshoheit unangetastet?

Bernhard Der Gedanke, dass man einige Kassen zusammenführt, ist in Ordnung. Nicht in Ordnung wäre es, wenn man ein Land mit hohem Niveau herunterfährt und das Geld umverteilt. Es muss gewährleistet sein, dass sich die Leistungen für die Versicherten im Land nicht verschlechtern. Diese Zusage gibt es. Wenn sie hält, ist es gut. Ansonsten wären wir nicht das einzige Land, das Einspruch erheben würde.

Ihr Tiroler Kollege soll getobt haben.

Bernhard Wir haben Textfragmente gesehen, die die notwendige sorgfältige legistische Aufarbeitung vermissen haben lassen. Da hat er schon recht. Warten wir auf den fertigen Gesetzestext, dann sehen wir weiter.

 

Wie lange wird sich Vorarlberg noch sechs Spitäler leisten?

Bernhard Wir haben nicht zu viele Betten, nur zu viele Häuser. Die sind so gut saniert, dass man sie vernünftig bespielen muss, und zwar mit dem Gedanken, dass es ein Landeskrankenhaus mit Außenstellen ist. Diese innere Differenzierung planen wir derzeit. Jetzt muss nur noch das Gesetz zu den Kranken- und Kuranstalten in Kraft treten, dann können wir uns weiter damit beschäftigen. Schließen werden wir jedenfalls keinen Standort.

 

Herr Kulturlandesrat, Künstler im Land ärgern sich über die Produktionsbedingungen. Gibt es mehr Geld?

Bernhard Es wird sich jede Sparte für drastische Erhöhungen aussprechen. Ich bewundere den Einsatz vieler Künstler, die Bedingungen sind sicher nicht optimal. Wir haben aber in den letzten Jahren immer etwas dazu bekommen. Mein Ziel ist auch für nächstes Jahr eine Gesamtsteigerung. Wichtig ist auch der Zugang zur Kunst von Menschen mit Behinderung. Wir sind gerade dran, den Zugang zum Kunsthaus und dem Vorarlbergmuseum barrierefrei zu gestalten, und zwar nicht nur für den Rollstuhl.

„Manche Textfragmente haben die sorgfältige legistische Aufarbeitung vermissen lassen.“

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