„Wir wurden bewusst fehlinformiert“

Markt / 06.11.2012 • 20:44 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Nach neuesten Meldungen erlebt Erdgas als Energieträger bei privaten Haushalten eine Renaissance. Foto: VN
Nach neuesten Meldungen erlebt Erdgas als Energieträger bei privaten Haushalten eine Renaissance. Foto: VN

Meldung über Renaissance von Erdgas sorgt bei VEG-Anteile-Verkäufern für Aufregung.

Nenzing. (VN-th) Am 10. Oktober hat Nenzing als letzte von einstmals 33 beteiligten Gemeinden ihre Anteile an der Vorarlberger Erdgas-Gesellschaft (VEG) verkauft. Das Hauptargument, mit dem man die Gemeinden – und auch eine Handvoll privater Miteigentümer – zum Verkauf bewegen konnte, war die düstere Zukunftsprognose für das Geschäft mit Erdgas.

Kaum hatten die letzten Gemeinden und Privaten dem Verkauf zugestimmt – die VN berichteten –, sorgte eine Agenturmeldung für Aufregung: Demnach stehe Erdgas als Energieträger vor einer „Renaissance“. Der ehemalige Direktor der VEG, Erwin Kopf, erklärte: „Wir verspüren die Zunahme von Erdgasanlagen insbesondere bei der Sanierung von bestehenden Anlagen und Häusern.“

„Wurden fehlinformiert“

Speziell bei den ehemaligen VEG–Mitbesitzern, die sich erst nach Ablauf des ursprünglich bis Juli 2012 befristeten Angebots und erst nach persönlicher Überzeugungsarbeit von Illwerke-Chef Dr. Ludwig Summer zum Verkauf „überreden“ ließen, stieß diese Meldung sauer auf. „Uns gegenüber wurde immer mit dem Wegfall von Kunden argumentiert“, erinnert sich Mag. Ronald Hepberger, für Finanzen zuständiger Gemeinderat in Nenzing. Und schlussfolgert: „Meines Erachtens wurden wir hier bewusst fehlinformiert.“ Auch in Frastanz, wo sich SPÖ-Finanzsprecher Harald Zwerschina bis zuletzt gegen den Verkauf der VEG-Anteile stemmte, war die Verwunderung über die Meldung groß.

Immer korrekt informiert

Dir. Ludwig Summer, von den VN auf die Empörung im Walgau angesprochen, versichert den verunsicherten Mandataren, dass man immer korrekt informiert habe. Zwar stimme es, dass heuer wieder mehr private an das Gasnetz anschließen, als dies 2009 der Fall gewesen ist: Damals war aber mit nur 276 neuen Kunden ein Tiefpunkt erreicht worden. Während die VEG noch Mitte der 90er-Jahre jährlich rund 1400 neue Hausanschlüsse verkaufen konnte, ging diese Zahl seither massiv zurück.

Falsches Bild gezeichnet

Bei der Meldung über diese eingetretene „Trendwende“ wurden allerdings nur die Privathaushalte ins Auge gefasst, ärgert sich Summer, dass damit ein falsches Bild der tatsächlichen Situation gezeichnet wurde. Er zeigt auch Verständnis für die Aufregung darüber. Tatsächlich aber entsprechen die 500 Neukunden im Privatbereich – wie man sie heuer zu gewinnen hofft – einem Energievolumen von rund 7,5 Millionen Kilowattstunden. Allein seit der Liberalisierung im Oktober 2011 haben gleichzeitig aber Industriekunden mit einem Volumen von 137 Millionen Kilowattstunden den Anbieter gewechselt. Und der Druck auf die VEG wird sich ab 1. Oktober 2013 verstärken. „Dann wird Vorarlberg in das süddeutsche Gasmarktgebiet integriert und untersteht dem vollen Wettbewerb“, so Summer. Die Gemeinden seien über die Situation offen und korrekt informiert worden.

Kennzahlen

Private Gasanschlüsse

» bis Mitte 90er: 1400 Anschlüsse/Jahr

» Tiefpunkt 2009: 276 Neuan­schlüsse

» 2010 : 336 Neuanschlüsse

» 2011: 449 Neuanschlüsse

» 2012 Jänner bis Oktober: 438

» Energievolumen der von 2009 bis Oktober 2012 neu angeschlossenen Haushalte: ca 22,5 Millionen kWh

» Energievolumen der seit der Liberalisierung vom 1. Oktober 2012 zu anderen Anbietern gewechselten Industriebetriebe: 137 Millionen kWh