Banken eine Nase drehen

Markt / 14.11.2012 • 22:11 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Für Firmen werden gute Kredite immer teurer. Je kleiner ein Betrieb ist, desto eher gerät er in die „Kreditklemme“, von der seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 häufig die Rede ist. Wer Geld will, muss sich auf langwierige Prüfungen einstellen und damit abfinden, dass die Banken immer mehr Sicherheiten und Zinsen verlangen. Andererseits jammert nicht nur der Präsident der Wirtschaftskammer, Christoph Leitl, dass zu wenig investiert werde. Auch er tut gern so, als ob es da keine Zusammenhänge gäbe.

Rasch in der Zwickmühle sind Firmen, die Geld brauchen, die wachsen, sich dabei aber nicht von der Bank in den Schwitzkasten nehmen lassen wollen – und die für eine Anleihe auf dem Kapitalmarkt nicht reif oder zu klein sind. Oder denen die Kosten Angst einjagen. Wie dies dem Waldviertler Schuherzeuger Heinrich Staudinger vorgekommen ist. Der findige Kopf hat sich, frustriert von seiner Hausbank, einfach Geld bei Freunden und Leuten ausgeborgt, die ihm über den Weg trauen. Drei Millionen Euro hat er so gesammelt, seine Firma ausgebaut und den Banken anschließend eine lange Nase gedreht.

Inzwischen steigt ihm aber die staatliche Finanzmarktaufsicht (FMA) kräftig auf die Zehen. Aus ihrer Sicht betreibt er Bankgeschäfte ohne Konzession. Ähnliches hat die FMA etwa auch beim Verein „Jugend eine Welt“ behauptet. Auch dem drohte eine empfindliche Strafe wegen des Tatbestands „verbotener Einlagengeschäfte“.

Nur juristische Winkelzüge haben das verhindert. Der Verein tüftelte an neuen Verträgen. Jetzt wird ihm zinsenlos geliehenes Geld im Konkursfall nachrangig, also nach Abfindung der Gläubiger, zurückgezahlt. Diese Verschlechterung für private Geldgeber kommt heraus, obwohl die FMA stets mit dem Anlegerschutz argumentiert.

Es wird Zeit, dass die Politik auf den wachsenden Bedarf alternativer Finanzierungen reagiert. Freilich darf der Schutz von Geldgebern nicht zu kurz kommen. Investoren riskieren aber auch anderswo, etwa beim Aktienkauf, hundert Prozent. Noch schaut es so aus, als sollten nur die Banken vor unliebsamer Konkurrenz bewahrt werden. Und die FMA, die heuer schon rund 200 Ermittlungsverfahren wegen unerlaubter Geldgeschäfte eingeleitet und auch Dutzende Gemeinden wegen Bürgerbeteiligungs-Modellen auf ihrer Sünderliste hat, steht als böser Spielverderber da. Doch sie vollzieht nur die Gesetze, auch wenn sie noch so vorgestrig sind.

wolfgang.simonitsch@vn.vol.at
Der Vorarlberger Wolfgang Simonitsch ist Redakteur der Kleinen Zeitung in Wien.