Vorarlberger Industrie zahlt die höchsten Löhne

Markt / 23.11.2012 • 22:40 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Vorarlberger Industrie zahlt die höchsten Löhne

Lohnniveau bringt aber auch Gefahren mit sich. Wettbewerbsfähigkeit auf dem Prüfstand.

DORNBIRN. Bei den KV-Verhandlungen gibt es viel Streit, am Schluss eine Einigung – und am Ende lachende Gesichter? Fehlanzeige. Vielmehr herrscht Verdruss auf beiden Seiten. Bei den Arbeitgebern, weil sie wieder tiefer in die Tasche greifen müssen, und bei den Arbeitnehmern, weil ihnen davon reichlich wenig übrig bleibt. Was nun eine kollektivvertragliche Erhöhung bedeutet, analysierten die Dornbirner Experten für Entgeltsysteme Franz Meusburger und Armin Steger (CFS Consulting). Ihren Berechnungen legten sie den aktuellen KV-Abschluss der Metaller zugrunde, eine Marktanalyse der Vorarlberger Industrie von 2012 sowie Daten über den Vorarlberger Durchschnittshaushalt.

Dabei kam ein interessantes Detail zum Vorschein: Das generelle Lohnniveau in der Vorarlberger Industrie liegt zwischen 10 und 17 Prozent über dem Österreich-Durchschnitt. „Das ist unter anderem damit zu erklären, dass der Vorarlberger Industrie­standort aufgrund der Nachbarschaft in direkter Konkurrenz zum Schweizer Standort steht“, sagt Meusburger.

Der Kollektivvertragsabschluss der Metaller (11.629 Vorarlberger sind davon betroffen) brachte eine Ist-Erhöhung von 3,3 Prozent. Die Vorarlberger Metallindustrie kostet das laut Analyse 1,43 Mill. Euro monatlich. „Geld, das natürlich mehr erwirtschaftet werden muss“, fügt Meusburger hinzu.

Fachkräfte sind Leidtragende

Davon verbleiben den Beschäftigten lediglich 560.000 Euro, was 39 Prozent des ­ausverhandelten Lohnzuwachses ausmacht. „Besonders hart trifft es die Fachkräfte. Sie bewegen sich zwar auf einem durchaus attraktiven Lohnniveau, ihnen bleibt aber lediglich ein Drittel“, so Meusburger, der den Schluss zieht: „Bei der hohen Belastung durch Staat und Sozialversicherung und den höheren Lohnkosten frage ich mich, wie lange die Vorarlberger Industrie, die ja in hohem Ausmaße exportiert, international noch wettbewerbsfähig bleiben kann. Zudem gefährdet der Staat so den Wohlstand der Bürger.“

Arbeitsplätze in Gefahr

Bestätigt durch diese Studie fühlt sich nicht etwa die Industriellenvereinigung, sondern der oberste Gewerkschafter des Landes, Norbert Loacker. „Wenn man an diesem System festhält, werden einzelne Unternehmen abwandern und damit Arbeitsplätze verloren gehen“, sagt Loacker. Wenn man die Wirtschaft töten wolle, müsse man nur so weitermachen, meint Loacker. „Für mich war auch dieses Mal frustrierend, was vom Bruttoergebnis der KV-Erhöhung netto übrig blieb“, führt der Gewerkschafter aus.

Auch laut Mathias Burtscher, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Vorarlberg, ist es „leider so, dass die Einkommenszuwächse immer stärker der öffentlichen Hand zukommen. Dies zu ändern wäre dringend nötig. Eine Reform ist überfällig.“ Die zu entrichtenden Abgaben für Mitarbeiter und Unternehmen würden überhandnehmen.

Der Staat gefährdet dadurch den Wohlstand der Bürger.

Franz Meusburger