Ohne Energieausweis drohen nun Geldstrafen

Markt / 30.11.2012 • 22:20 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Der Energieverbrauch von Immobilien muss nun bereits im Inserat angegeben werden.

Schwarzach. (VN-reh) Immobilien sollen noch kostentransparenter werden: Dass ein Vermieter oder Verkäufer dem Mieter oder Käufer einen höchstens 10 Jahre alten Energieausweis vorlegen muss – diese Pflicht gibt es schon seit 2009. Neu ist aber seit heute, dass bereits in Inseraten – egal ob in der Zeitung oder in einem elektronischen Medium – Angaben zur Energieeffizienz der Immobilie gemacht werden müssen.

Neu ist auch, dass bei Nichteinhaltung der Vorlage- und Aushändigungspflicht des Energieausweises vor Vertragsabschluss eine Verwaltungsstrafe von bis zu 1450 Euro droht. Dies alles regelt das neue Energieausweis-Vorlage-Gesetz, das heute in Kraft tritt. Ausnahmen gibt es fast keine, auch ein Verzicht beider Vertragsparteien auf den Energieausweis gilt nicht.

In der Geschäftsstelle der Vorarlberger Eigentümervereinigung haben sich die Anfragen deswegen in letzter Zeit verdoppelt. „Das Gesetz sorgt für Verwirrung. Viele haben Angst vor den Kosten und auch den rechtlichen Konsequenzen“, erklärt Daniela Eberharter. Auch die Energieausweis-Ersteller hätten so viel zu tun, dass die Ausweise oft nicht rechtzeitig fertig würden.

Nur Aufwand und Kosten

Für Dr. Markus Hagen, Präsident der Eigentümervereinigung, ist die neue Richtlinie schwer umsetzbar. „Prinzipiell bietet das Gesetz eine Angriffsfläche für Konflikte. Mieter oder Käufer haben durch die Verwaltungsstrafe ein Druckmittel, wenn es Unstimmigkeiten mit dem Vermieter oder Verkäufer gibt.“

Die Grundidee – mehr Transparenz – ist seiner Meinung nach zwar gut, aber am Ende produziere die Richtlinie nur Aufwand und Kosten. Ein Problem sieht er bei bestehenden Immobilien: „Hier kann man die thermische Situation nicht prüfen, ohne die Wand aufzubrechen. Also prüft man anhand von Plänen, und das ist wiederum technisch nicht zuverlässig.“ Das betreffe auch die Sachverständigen, die durch das Erstellen eines Energieausweises haften. Stimmen dann die Werte nicht exakt, können sich Schadenersatzansprüche ergeben. Bei Neubauten könne man zwar technisch zuverlässig prüfen, allerdings seien in einem Energieausweis so viele technische Daten enthalten, die niemand verstehe. Das Vorlegen einer Betriebskostenabrechnung wäre für Hagen weitaus sinnvoller.

„Ein Millionengeschäft“

Schlussendlich traue sich aber niemand, das Gesetz zu kritisieren. Immerhin sei es ein Millionengeschäft. „Wenn man bedenkt, dass zwischen Jänner 2008 und Juli 2010 8000 Energieausweise ausgestellt wurden und diese zwischen 300 Euro (Wohnung) und 2500 Euro (Wohnanlage) kosten, waren es in diesem Zeitraum bereits 5,5 Millionen Euro“, so Hagen. Laut Statistik gibt es in Vorarlberg knapp 152.000 Wohnungen, 30 Prozent davon werden vermietet.

Eine Betriebskostenabrechnung vorzulegen wäre sinnvoller.

Markus Hagen