Land gibt grünes Licht für Obervermuntwerk II

Markt / 11.12.2012 • 22:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Umweltprüfung für 500- Millionen-Projekt beendet. Baubeginn hängt nun von Einsprüchen ab.

Bregenz. Ein langjähriges Verfahren wurde gestern abgeschlossen: Das Land Vorarlberg hat grünes Licht für die Errichtung und den Betrieb des Pumpspeicherwerks Obervermunt II gegeben. Die Umweltverträglichkeitsprüfung, die eineinhalb Jahre dauerte, ist somit abgeschlossen. Einsprüche sind jedoch noch jederzeit möglich. Gerade die Bürgerinitiative und die Gemeinde Gaschurn hatten im Vorfeld ihre Bedenken zum Bau geäußert. „Wir hoffen natürlich auf einen positiven Entscheid. Dann wäre auch ein Baubeginn im Frühjahr 2013 realistisch“, betont Landeshauptmann Markus Wallner.

Bedenken ernst genommen

Die Bedenken der Bürger, die aufgrund der höheren Stromtransporte eine Gefährdung der Gesundheit fürchten, habe man ernst genommen. Untersuchungen von Externen hätten aber keine Zusammenhänge festgestellt, so Wallner. Das Projekt sei ein Meilenstein für Vorarlberg und bringe viele wirtschaftliche Vorteile. „Wir möchten Strom, der verfügbar, bezahlbar und erneuerbar ist“, erklärt der Landeshauptmann. Ludwig Summer, Vorstandsvorsitzender der Illwerke VKW, fühlt sich durch die Genehmigung seitens des Landes in der Meinung bestätigt, dass das Projekt umweltverträglich ist. Mit der Gemeinde Gaschurn sei man sich weitestgehend einig gewesen, bei der Bürgerinitiative sei es noch fraglich, wie sie sich verhalten werde. „Sollte es eine Berufung geben, ist ein Baubeginn 2013 nicht möglich“, betont Summer. Auch er hoffe auf eine Entscheidung in erster Instanz und damit verbunden auf einen Baubeginn im nächsten Jahr. Die Kernforderung der Bürgerinitiative, den Stromtransport in die Erde zu verlegen, sei finanziell nicht vertretbar.

Bis zur Fertigstellung (geplante Bauzeit: fünf Jahre) soll das zweitgrößte Kraftwerk Vorarlbergs 500 Millionen Euro kosten und der Erzeugung von Spitzen- und Regelenergie dienen. Diese ist sehr wichtig für die Stabilisierung des europäischen Stromnetzes. Denn je mehr Kraftwerke insgesamt am Netz hängen, die unregelmäßig Strom produzieren (wie etwa Windkraftwerke oder Photovoltaik), desto höher ist der Bedarf an Stromspeicherung.

Errichtet werden soll das Pumpspeicherwerk mithilfe des baden-württembergischen Energieversorgers EnBW, der sich im Februar vertraglich 50 Prozent der Speicher- und Regelenergie aus den Kraftwerken der Illwerke gesichert hat. Dafür beteiligt er sich in diesem Umfang an den Jahreskosten der Illwerke. Die EnBW investiert mit den Illwerken neben dem Obervermuntwerk II auch in die Errichtung des Rellswerks und finanziert die Erweiterungen der Umspann­anlage Bürs mit. „Insgesamt geht es dabei um 600 Millionen Euro. Das bedeutet eine beträchtliche Wertschöpfung und erhöht die Versorgungssicherheit“, so Wallner.

Das Projekt steht politisch auf einer sehr breiten Basis.

Markus Wallner

Stichwort

Obervermuntwerk II

Mit dem Obervermuntwerk II wollen die Illwerke an den Erfolg des Kopswerks II anschließen und ein Projekt auf Schiene bringen, das der geplanten Energiewende Rechnung trägt. Das neue, als Parallelkraftwerk zum bestehenden Obervermuntwerk konzipierte Pumpspeicherkraftwerk entsteht zwischen den Stauseen Silvretta und Vermunt und dient der Erzeugung von Spitzen- und Regelenergie. Durch die Pumpspeicherung kann Energie genau dann zur Verfügung gestellt werden, wenn sie gebraucht wird. Insbesondere die mit Wind- und Sonnenenergie einhergehenden Schwankungen im internationalen Stromnetz können flexibel ausgeglichen werden.