Bau hat keinen Grund zum Jammern

Markt / 14.12.2012 • 19:31 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Vor allem der Wohnbau entwickelte sich in diesem Jahr sehr positiv. Allerdings ist er für viele kaum mehr leistbar. Foto: bauinnung
Vor allem der Wohnbau entwickelte sich in diesem Jahr sehr positiv. Allerdings ist er für viele kaum mehr leistbar. Foto: bauinnung

Gute Auslastung in der Vorarlberger Bauwirtschaft. Bürokratismus bleibt ein Problem.

Hohenems. (VN-reh) Nach einer längeren Talfahrt und der Trendwende im letzten Jahr kann die Vorarlberger Bauwirtschaft heuer auf ein positives Jahr zurückblicken. Auch für 2013 ist man optimistisch. Architekten und Planer seien gut beschäftigt, erklärt Bau-Innungsmeister Franz Drexel bei der Präsentation der jährlichen Blitzumfrage. Auch mit einer Personalaufstockung wird gerechnet. Das Problem bleiben allerdings die gesetzlichen Rahmenbedingungen. „Vom Schreibtisch aus erfundene Einzelmaßnahmen führen dazu, dass selbst kleine Bauprojekte einen überbordenden Aufwand benötigen“, so Drexel. Hier sei nun die Politik gefordert. Sehr positiv entwickelte sich indes der private und gemeinnützige Wohnbau, nachdem er in den letzten Jahren um fast ein Drittel zurückgegangen war. „Nach einer Durststrecke spüren wir nun einen Aufwärtstrend“, freut sich Wohnbausprecher Karl Grabher. Auch 2013 wird mit einem Plus gerechnet.

Wohnen muss leistbar bleiben

Allerdings stelle sich immer mehr die Frage, ob der Wohnbau überhaupt leistbar bleibe. Ökologie- und Energieauflagen, Barrierefreiheit, die Bautechnikverordnung, Materialkosten und auch die Grundstückspreise seien starke Kostentreiber. Darum gehe auch der Trend immer mehr zu Mietwohnungen. „Waren früher die Interessenten zwischen 25 und 35 Jahre alt, liegt der Altersdurchschnitt mittlerweile zwischen 45 und 55. Für junge Menschen ist Wohnen kaum noch leistbar“, betont Grabher. Auch die Baunutzungszahl ermögliche es kaum mehr, vierstöckige Anlagen zu bauen. Die Lösung sieht er darin, die herrschenden Vorschriften auf ihren Kosten-Nutzen-Effekt zu überprüfen und zurückzufahren. Oder darin, die Wohnbauförderung massiv zu erhöhen. Generell müsse man sich schon überlegen, ob es sinnvoll ist, gemeinnützige Wohnungen im Passivhausstandard zu errichten und entsprechend zu fördern, während private Bauten meist in der Stufe Öko-3 gebaut werden.

Industrie und Gewerbe bauen

Auch die heimischen Betriebe trugen zum guten Ergebnis in der Bauwirtschaft bei. Heuer wurde wieder kräftig investiert. Währenddessen bleibt der öffentliche Hoch- und Tiefbau auch noch 2013 rückläufig, betont Alexander Stroppa, Innungssprecher für den öffentlichen und gewerblichen Bau. Prekär sei die Situation im Siedlungs- und Industriewasserbau, der von Bundesseite her ausgehungert werde. Zudem sollen 2014 die Zuschüsse zur Kanalisation komplett aufgelassen werden. „Dadurch ist ein Viertel des gesamtem Tiefbauvolumens in Gefahr, verloren zu gehen“, so Stroppa.

Kennzahlen

Baukonjunktur Vorarlberg

Blitzumfrage unter heimischen Bauunternehmen

» Aktuelle Auftragssituation im Vergleich zum November 2011: +5,5% (Vorjahr: -0,5 %)

» Auftragssituation erstes Halbjahr 2013 im Vergleich zum ersten Halbjahr 2012:

» Allgemein: +3,3 % (Vorjahr: -9 %)

» Wohnbau: +3,3 % (Vorjahr +3 %)

» Gewerbe und Industrie: +1,6 % (Vorjahr: -5 %)

» Öffentlicher Hochbau: -4,7 % (Vorjahr: -12 %)

» Öffentlicher Tiefbau: -5,5 % (Vorjahr: -21%)

» Sanierungen: +7,24 % (Vorjahr +8 %)

» Umsatz/Bauproduktionswert 2010: 469 Mill. Euro

» Umsatz/Bauproduktionswert bis Ende August 2011: 264 Mill. Euro

» Umsatz/Bauproduktionswert 2011 (prognostiziert): 470 Mill. Euro

» Mitarbeiter: 4300, davon ca. 230 Lehrlinge