Roboter verändern Arbeitsmarkt

Markt / 14.12.2012 • 19:41 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Zukunftsforscher Lars Thomsen sprach auf dem Wirtschaftsforum.
Zukunftsforscher Lars Thomsen sprach auf dem Wirtschaftsforum.

Zukunftsforscher: Roboter werden auch für kleine Betriebe erschwinglich.

Schwarzach. Es wird nichts mehr so sein, wie wir es heute kennen. Zukunftsforscher Lars Thomsen, Referent am heurigen Vorarlberger Wirtschaftsforum, prophezeit große Veränderungen bei der Arbeit. Computer würden immer leistungsfähiger. Die Technik lerne, wie wir Menschen funktionieren. Alle zwölf Monate verdopple sich die Rechenleistung. Damit sind die Voraussetzungen für einen, wie Thomsen sagt, Megatrend der nächsten zehn Jahre geschaffen. „Noch in dieser Dekade macht Robotik einen großen Sprung. Sie wird für Gewerbe verfügbar sein.“ Klein- und Mittelbetriebe werden, so der Zukunftsforscher, auf die Hilfe von Robotern setzen. „Erste erschwingliche Roboter sind bereits in den USA, Japan und Korea für 25.000 Dollar verfügbar“, sagt Thomsen.

30 Unternehmen forschen

Mehr als 30 Unternehmen weltweit arbeiten an humanoiden Robotern. Mit ihrem Durchbruch, wovon Thomsen fest ausgeht, werde sich die Arbeit grundlegend verändern. „Viele Routinetätigkeiten, die derzeit noch von Menschen billiger gemacht werden können, werden dann die Maschinen übernehmen.“ Wirtschaftlich rechnende Unternehmer würden dann billigere und effizientere Maschinen Arbeitskräften vorziehen. „Die Arbeit in den nächsten zehn Jahren ändert sich extrem. Wir haben noch nicht die Antworten gefunden, wie wir das gesellschaftlich und politisch auffangen können“, so Thomsen.

„Fließender Prozess“

Der Chef des Vorarlberger Arbeitsmarktservice (AMS), Anton Strini, spricht gegenüber den VN von einem fließenden Prozess, der schon seit Jahren laufe. Mit der Automatisierung seien bereits viele gering qualifizierte Arbeitsplätze weggefallen. Robotik werde diesen Trend weiter verstärken. Aber auch in anderen Bereichen haben Maschinen längst Menschen verdrängt. Im Bankensektor etwa, wo der Bankomat in den letzten 15 Jahren unglaublich viele Schalterbeamte ersetzt habe, so Strini.

Neben den Gefahren speziell für gering Qualifizierte sieht der AMS-Chef aber auch Chancen. „Im Pflegebereich gibt es Schwierigkeiten, Personen zu finden, die auch finanzierbar sind.“

Und was passiert mit den wenig qualifizierten Arbeitskräften? Muss in Weiterbildung und Schulung investiert werden? „Es wird immer mehr Leute geben, denen diese kleinen Schritte nicht reichen, um am Arbeitsmarkt zu reüssieren“, glaubt Strini.

Herausforderungen in Bildung

Auch bei der Vorarlberger Wirtschaftskammer sieht man Herausforderungen vor allem im Bereich Bildung und der Qualifizierung von Mitarbeitern. „Hier haben wir konkrete Vorstellungen und ein Bildungskonzept vorgelegt, mit dem Ziel, junge Menschen optimal und bedarfsgerecht für die Wirtschaft auszubilden“, sagt Marco Tittler, Leiter der Abteilung Wirtschaftspolitik. Grundsätzlich sei Automatisierungstechnik keine Neuigkeit und auch kein Trend. „Automatisierungen sind überlebenswichtig, um auch weiterhin konkurrenzfähig zu bleiben und im globalen Wettbewerb bestehen zu können“, so Tittler.

Auch eine Chance

Roboter werden, das glaubt man auch in der Wirtschaftskammer, in Zukunft eine Rolle spielen, jedoch die Fachkraft nicht ersetzen. „Roboter übernehmen Arbeiten, die für Menschen zu gefährlich, zu kompliziert oder zu schmutzig sind. Und wenn Unternehmen die Technik dahinter selbst erfinden, bauen und erfolgreich vermarkten, dann bringen sie zusätzlich Wohlstand“, so Tittler.

Für den ­Arbeitsmarkt bringt es Gefahren und Chancen.

Anton Strini, AMS-Chef

Automatisierungen sind für die Wirtschaft überlebenswichtig.

Marco Tittler, WKV