Weniger Firmenpleiten, mehr Privatkonkurse

Markt / 18.12.2012 • 22:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Herausforderung der Betriebe ist es, durch Maßnahmen sich so zu positionieren, dass den wirtschaftlichen Turbulenzen begegnet werden kann.
Die Herausforderung der Betriebe ist es, durch Maßnahmen sich so zu positionieren, dass den wirtschaftlichen Turbulenzen begegnet werden kann.

187 Firmen schlitterten heuer in die Insolvenz. Vor allem Kleinunternehmen betroffen.

Feldkirch. (VN-reh) Vorarlberg entwickelt sich wieder einmal völlig gegen den Österreichtrend. Bei den Unternehmensinsolvenzen konnte unser Bundesland den stärksten Rückgang verzeichnen, während in Gesamtösterreich die Zahl der Fälle um 2,4 Prozent stieg. Währenddessen gab es deutlich mehr Schulden­regulierungsverfahren bei Privatpersonen.

187 Firmen insolvent

187 Firmeninsolvenzen gab es im heurigen Jahr, 7,4 Prozent weniger als noch 2011. Die Passiva gingen von 102 Millionen auf 55 Millionen Euro zurück, die Zahl der betroffenen Mitarbeiter von 843 auf 355. Das sei, so Sabine Welte von der KSV1870-Niederlassung in Feldkirch, darauf zurückzuführen, dass heuer überwiegend Klein- und Kleinstunternehmen mit zwei bis drei Mitarbeitern betroffen waren. Das seien laut Welte aber keinesfalls nur Neugründer.

Der Rückgang bei den Firmenpleiten sei nicht überraschend gekommen. „Bereits 2011 hat sich gezeigt, dass die Betriebe gut aus der Krise gekommen sind. Nun ist aber die Talsohle erreicht. Im nächsten Jahr rechne ich nicht mit einem weiteren Rückgang bei den Unternehmensinsolvenzen“, erklärt Welte.

Die größte Insolvenz gemessen an der Schuldenhöhe verzeichnete die Firma Erich Anton Drobez mit 10,7 Millionen Euro. Insgesamt gab es die meisten Insolvenzen heuer im Gastgewerbe, gefolgt von den unternehmensbezogenen Dienstleistungen und der Bauwirtschaft. „Das Gastgewerbe war in den letzten Jahren unser Sorgenkind, was die Insolvenzen anbelangt. Allerdings gibt es in Vorarlberg in der Branche sehr viele Betriebe. Betroffen sind meist Kleinstunternehmen wie Eisdielen oder Imbissstände“, erklärt Welte. Einen starken Anstieg gab es indes bei den Privatkonkursen. Heuer wurden bereits 613 Schuldenregulierungsverfahren eröffnet. Das entspricht einem Plus von 2,7 Prozent gegenüber 2011. Im Österreichschnitt stagniert währenddessen die Zahl der Pleiten. Die hohe Zahl sei aber keineswegs überraschend. Sabine Welte spricht hier von einem azyklischen Verhalten. „Ist die Wirtschaft stark, steigen die Privatkonkurse. Denn wenn es viele Arbeitslose gibt, ist die Chance auf ein Schuldenregulierungsverfah­ren gering, weil kein Geld da ist“, so Welte. Die Gründe sind vielschichtig. Ein Drittel der Fälle sei auf eine ehemalige Selbstständigkeit zurückzuführen. Auch überhöhtes Konsumverhalten oder private Schicksalsschläge seien für Privatkonkurse ausschlaggebend.

Bei den Pleiten stehen wir im Gegensatz zum Bundestrend.

Sabine Welte, KSV1870

KSV 1870 Vorarlberg

2011 2012 Veränderung

Firmeninsolvenzen 202 187 –7,4 %

davon:

» Eröffnete Verfahren 116 92 –20,7 %

» Abgewiesene Anträge 86 95 +10,5 %

» Passiva in Mill. Euro 102 55 –46,1 %

» Betroffene Mitarbeiter 843 355 –57,9 %

» Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung Stk. 7 (2011: 6)

» Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung Stk. 10 (2011: 12)

» Konkursverfahren Stk. 75 (2011: 98)

Die größten Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2012 in Vorarlberg gereiht nach Schuldenhöhe waren:

Firma Passiva Mill. Euro Dienstnehmer

» Erich Anton Drobez 10,7 1

» Siegfried Amann Gasthof Auerhahn Bizau 5 7

» Autocenter Huber Gesellschaft m.b.H. & Co KG 2,5 9

» Bizauer Schilift-Gesellschaft m.b.H. & Co. KG 2,5 11

» Konstanze Nitschmann Handelsgewerbe 2,1 3

» Hotel Walserhof Sperger KG 1,7 9