Schärfere Kontrollen für die Franken-Kredite

Markt / 04.01.2013 • 22:14 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Durch die neuen, scharfen Regeln will die Finanzmarktaufsicht das Risiko bei Franken- und anderen Fremdwährungskrediten weiter verringern.
Durch die neuen, scharfen Regeln will die Finanzmarktaufsicht das Risiko bei Franken- und anderen Fremdwährungskrediten weiter verringern.

Ab sofort gelten für Fremdwährungskredite noch strengere Regeln. Für Vorarlbergs Banken kein Problem.

Schwarzach, Wien. (VN-sca) Auch wenn seit 2008 Schluss ist mit Franken-Krediten für den Hausbau – das Volumen von Fremdwährungskrediten, insbesondere Frankenkrediten, ist in Österreich im internationalen Vergleich nach wie vor sehr hoch. Zum Zeitpunkt des Kreditstopps vor vier Jahren wurden immerhin fast 50 Prozent aller in Europa vergebenen Fremdwährungskredite in Österreich vergeben. Inzwischen ist das aushaftende Volumen an Fremdwährungskrediten zwar stark gesunken, für Währungsfonds und Weltbank aber immer noch zu hoch. Für die Finanzmarktaufsicht (FMA) ein triftiger Grund, um tätig zu werden. Deshalb hat die FMA die Mindeststandards für Banken bei Fremdwährungskrediten mit sofortiger Wirkung neu gefasst und verschärft. Den Banken bleibe es unbenommen, selbst noch höhere Standards zu installieren.

Vorkehrungen verschärft

Die Vorarlberger Banken haben ihre Vorkehrungen schon in den letzten Jahren verschärft, berichtet der Obmann der Sparte Bank und Versicherung in der Wirtschaftskammer, Wilfried Hopfner. Mit den Kunden, die noch Franken-Kredite haben, werden, so Hopfner gegenüber den VN, jährlich sogenannte „Tilgungsträger­gespräche“ geführt, bei denen Fehlentwicklungen abgefangen werden können. „Unsere Banken sind hier sehr aktiv in der Kundenbetreuung“, betont er.

Die neuen Regeln seien erst vorgestern in den Bankzentralen eingelangt, man sei noch dabei, die Post von der FMA zu sichten und zu analysieren. Eine klare Verschärfung stelle aber der nun obligatorische Stresstest dar. Die Bank muss nun zumindest einmal jährlich anhand eines aussagekräftigen Stresstests die Auswirkungen von Wechselkursschwankungen auf das Fremdwährungskreditportfolio berechnen. Die Verantwortlichen in den jeweiligen Banken müssen regelmäßig über risikorelevante Beobachtungen unterrichtet werden.

Wird ein Kredit in fremder Währung vergeben, ist bei der Bonitätsprüfung zu erheben, ob der Kreditnehmer über genug Reserven bei Einkommen oder Vermögen verfügt, um bei Wechselkursänderungen den erhöhten Kreditrückzahlungsbetrag auf Finanzierungsbasis in der Heimatwährung bedienen und tilgen zu können, heißt ein Schlüsselsatz in den am 2. Jänner 2013 veröffentlichten FMA-Mindeststandards für die Banken.

Konkret heißt das: Es muss ein Sicherheitspolster gegeben sein, um in der Finanzierungskraft entsprechende Verschlechterungen auszuhalten. Üblicherweise gelten da 30 bis 40 Prozent als untere Messlatte. Vorarlberger Franken-Kreditnehmern

wird in den Gesprächen von ihren Bankbetreuern auch dringend geraten, nicht nur die Zinsen zu bedienen, sondern tatsächlich auch die Belastung zu vermindern, damit es nicht zu bösen Überraschungen kommt, sagt Hopfner und liegt damit auf derselben Linie wie die Finanzmarktaufseher.

Frühwarnsystem

In den neuen Standards wird auch klar definiert, wann ein Währungswechsel oder eine Verlängerung der Laufzeit von Krediten, Geldanlagen und Wechseln bloß eine Änderung des bestehenden Kredits ist oder schon als Neuvergabe gilt. Auch wenn bei den Kreditnehmern bestimmte Schwellenwerte beim Zins- oder Wechselkursrisiko überschritten werden, muss ein Frühwarnsystem anschlagen, fordert die FMA.

Für private Kreditnehmer bedeutet die Verschärfung das endgültige Aus dieser früher populären Finanzierungsform.

Wir haben so eine Prüfung bisher schon gemacht und haben das intern den ,Elchtest‘ genannt.

Wilfried Hopfner

Mindeststandards. Die neuen Regeln für Fremdwährungskredite sollen das Risiko mindern.

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.