Poker um Europa-Börse

Markt / 10.01.2013 • 22:13 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Deutsche Börse in Frankfurt hat sich schon mehrmals um die Euronext bemüht. Foto: dpa
Die Deutsche Börse in Frankfurt hat sich schon mehrmals um die Euronext bemüht. Foto: dpa

Nasdaq hat Interesse an der europäischen Mehrländer-Börse Euronext.

Frankfurt. Das Feilschen um die Zukunft der europäischen Mehrländer-Börse Euronext hat begonnen. Der US-Konkurrent Nasdaq meldete Interesse an dem Konzern an, falls dieser zum Verkauf gestellt wird. „Wir würden uns das ansehen“, sagte Nasdaq-Chef Robert Greifeld in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Greifeld geht von einem Verkauf der Euronext frühestens 2014 aus und setzt darauf, dass bis dahin mehr Klarheit über die Wirtschaftsentwicklung in Europa herrscht. „Es wäre schwieriger, heute über ein Angebot zu entscheiden als in 15 Monaten.“

Die Euronext, die zur New York Stock Exchange (NYSE) gehört, soll nach der geplanten Übernahme der NYSE durch den US-Konkurrenten ICE abgespalten werden. Angepeilt wird ein Börsengang der Euronext, die die Marktplätze in Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon betreibt. „Die Euronext steht nicht zum Verkauf“, sagte NYSE-Euronext-Vize-Chef Dominique Cerutti.

Manager würden es begrüßen

In Paris und Amsterdam, wo seit der Fusion mit der NYSE 2007 über eine Machtverlagerung nach New York geklagt wird, würden sich viele Manager über einen Börsengang freuen, weil die europäischen Handelsplätze damit ihre Unabhängigkeit wiedergewinnen würden. Experten und Insider gehen jedoch davon aus, dass die ICE auch einen Verkauf der Euronext in Betracht ziehen würde. „Wenn ein Bieter auf den Plan tritt und ein Angebot abgibt, würde man sich damit natürlich befassen“, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Bevor eine Entscheidung über die Zukunft der Euronext fällt, werde die ICE jedoch zunächst die gut acht Milliarden schwere Übernahme der NYSE abschließen. Dies werde vermutlich bis Ende des Jahres dauern. „Bis dahin kann noch viel passieren.“ Nach Ansicht von Berenberg-Analyst Richard Perrott könnte die Euronext, die 2011 einen Umsatz von 540 Mill. Dollar (416,54 Mill. Euro) einfuhr, etwa ein bis zwei Milliarden Euro wert sein. Die Deutsche Börse, die sich in der Vergangenheit mehrfach vergeblich um die Euronext bemüht hat, ist Unternehmenskreisen zufolge nicht mehr an der Mehrländer-Börse interessiert, da der Aktienhandel in den vergangenen Jahren an Attraktivität eingebüßt hat.