„Passivhaus ist kein Allheilmittel“

Markt / 11.01.2013 • 20:55 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Alle VOGEWOSI-Projekte (wie hier in der Hinteren Achmühle in Dornbirn) müssen im Passivhausstandard gebaut werden. Foto: VN
Alle VOGEWOSI-Projekte (wie hier in der Hinteren Achmühle in Dornbirn) müssen im Passivhausstandard gebaut werden. Foto: VN

Überregulierung und Energiestandard bei gemeinnützigem Bau wurden bei Vorarlberger Bautagen diskutiert.

Damüls. (VN-reh) 100 Millionen Euro sollen heuer seitens des Landes Vorarlberg in den öffentlichen Hochbau und den Straßenbau investiert werden, erklärte Landesrätin Andrea Kaufmann anlässlich der Vorarlberger Bautage in Damüls. Für den Landeshochbau seien zudem 56 Millionen vorgesehen, knapp 26 Millionen für den Schutzwasserbau und die Renaturierung. 181 Millionen Euro werden für die Wohnbauförderung zur Verfügung gestellt. Damit sollen Wohnungseigentum und Eigenheime gefördert werden. Genauso soll der gemeinnützige Wohnbau forciert werden. Kaufmann lobte außerdem die Verlängerung der Schwellenwerteverordnung. „Damit können wir unsere Unternehmen mit unbürokratischen öffentlichen Auftragsvergaben unterstützen.“

Funktioniert in Gemeinden nicht

Was seitens des Landes sehr gut funktioniert, ist in den Gemeinden oftmals schwierig, betonten die anwesenden Baumeister. Viele Bürgermeister würden dieses Modell der Direktvergabe nicht leben, weil sie das Vergabegesetz nicht gut genug kennen würden. Gleichzeitig würden sie die Baunnutzungszahl herabsetzen. Das Ergebnis: Meist darf nur mehr dreigeschossig gebaut werden, was eine Wohnung deutlich teurer mache. Die Anwesenden waren sich einig, dass das Thema nur über den Gemeindeverband zu lösen sei. Es brauche den Druck auf die Bürgermeister. „Wir werden einen neuen Anlauf starten“, versprach Kaufmann in dem Zusammenhang.

Innungsmeister Franz Drexel gab weiter zu bedenken, dass immer mehr Menschen auf die Wohnbauförderung verzichten würden, weil es sich vom Kosten-Nutzen-Prinzip her nicht rechnen würde. Genauso sei zu hinterfragen, wieso jedes gemeinnützige Wohnbauprojekt in Passivhausstandard gebaut werden müsse. „Dieser ist kein Allheilmittel. Ein Niedrigenergiestandard reicht vollkommen aus“, so Drexel. Kaufmann erklärte, es würden Untersuchungen bezüglich der Betriebskosten­ersparnis durchgeführt. Das Thema sei also durchaus diskussionswürdig.

Ein Dauerthema bei den Baumeistern sind die vielen Verordnungen und Vorschriften, die sehr viel Zeit und Geld kosten. Die Regulierung sei mittlerweile zu massiv geworden. „Es ist auch in unserem Interesse, dass es keine Überregulierung gibt. Leider ist nicht alles vom Land beeinflussbar. Aber wir versuchen auf einen vernünftigen Standard zu kommen“, versprach die Landesrätin.

Sie sei sich bewusst, dass viel Geld für die Planungen draufgehe, und die vielen Regelungen träfen das Land mit seinen Bauprojekten genauso. Allein bei der Landesberufsschule Feldkirch seien eine Million Euro nur zum Erfüllen der OIB-Richtlinien verwendet worden. Vor allem die Brandschutzverordnung sei ein Kostentreiber. „Wir dürfen diesen dekadenten Weg der Überregulierung nicht weitergehen“, sagte Drexel abschließend.