„Wir nehmen in Anspruchanders als andere zu sein“

Markt / 11.01.2013 • 20:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Arnold Feuerstein hat viele Dinge angepackt und umgesetzt, von denen die Konkurrenz nicht immer begeistert war. Fotos: VN/Stiplovsek
Arnold Feuerstein hat viele Dinge angepackt und umgesetzt, von denen die Konkurrenz nicht immer begeistert war. Fotos: VN/Stiplovsek

Götzis. Arnold Feuerstein kann man getrost als Pionier bezeichnen. Vor 30 Jahren führte er mit dem „Dorfinstallateur“ ein Mitarbeiterbeteiligungsmodell ein, das heute noch seinesgleichen sucht. Und er lebte „Gemeinwohlorientierung“ bereits, als es den Begriff noch gar nicht gab.

Sie haben vor 30 Jahren als Einmannbetrieb ­angefangen. Heute sind es über 100 Mitarbeiter. Wie haben Sie die Anfänge erlebt?

Arnold Feuerstein: Bei Installateuren gibt es verschiedene Typen. Der Standard ist, es gibt einen Meister und fünf bis sechs Mitarbeiter. Irgendwann gibt er das Handwerk aus der Hand und wird zum Kaufmann bzw. zum Organisator. Wenn man mehr Mitarbeiter möchte, braucht es eine Struktur. Ich hatte innerhalb von zehn Jahren 40 Mitarbeiter und habe gleichzeitig gemerkt, dass ich immer mehr wegkomme von meinem ureigensten Beruf als Handwerker. Dazu kam, dass ich mit 32 kurz vor einem Burn-out stand und Probleme mit der Galle hatte. Ich habe aber trotzdem durchgearbeitet und war am Schluss völlig fertig und abgemagert. Bei einem Krankenhausaufenthalt habe ich das Buch „Ich bin o.k., du bist o.k.“ von Thomas A. Harris gelesen und eine persönliche Bilanz gezogen. Es war mir klar, dass es eine Veränderung brauchte, privat wie beruflich. Gleichzeitig wollte ich aber die Mitarbeiter nicht mit meinem Ausstieg konfrontieren.

Sie haben dann, zehn Jahre nach der Gründung, ein Mitarbeiterbeteiligungsmodell eingeführt. Welche Überlegungen standen dahinter?

Für mich war es die schönste Zeit, als ich mit dem VW-Bus unterwegs war und mit meinem Team und den Kunden zu tun hatte. Darum hab ich nach einem Modell gesucht, bei dem der Handwerker auch Handwerker bleiben kann, aber im Hintergrund eine Organisation hat, die das ganze Betriebswirtschaftliche erledigt. Das war aufwendig, weil ich Vollhandwerkern beibringen musste, dass sie trotzdem eine kaufmännische Verantwortung haben. Es war hart und unangenehm, dafür zu sorgen, dass das System in Fleisch und Blut übergeht.

Sie feiern heuer Ihr 40-jähriges Bestehen. Gab es in der Erfolgsgeschichte auch Tiefschläge?

Von Anfang an war die Kutsche natürlich nicht einfach zu fahren. Ich hatte auch, nachdem das Modell umgesetzt war, mir ein Ausstiegsszenario ausgedacht. Allerdings habe ich nicht damit gerechnet, dass es 30 Jahre dauert, bis ich mit meinem Sohn Samuel einen Nachfolger habe. Rückblickend war nur der Anfang schwierig. Mit der Werbung für unser Beteiligungsmodell „Dorfinstallateur“ haben wir den Mitbewerb ordentlich aufgescheucht. Dieser hat dann versucht, uns gezielt zu unterbieten. In der Zeit haben wir ordentlich Substanz gebraucht. Danach gab es eigentlich keine Tiefs mehr, weil wir über unsere kleinzellige Struktur sehr flexibel agieren konnten. Wir haben sehr viele kleine Aufträge und leben davon. Großbauten sind eher fürs Training und Prestige. Die Substanz kommt aus den kleinen Arbeiten, die wir sehr gerne machen.

Was braucht man, damit ein Modell ein Erfolgsmodell wird?

Man kann ein Modell nur erfolgreich umsetzen, wenn es in sich schon erfolgreich ist. Das heißt, man kann keine Totgeburt mit einem Modell versehen. Es ist eine sehr sensible Begleitaufgabe, weil jedes von unseren 15 Teams ein eigenes Unternehmen im Unternehmen ist. Wir sind quasi die Drehscheibe, die verwaltet und begleitet. Bei uns hat jeder Mitarbeiter die Möglichkeit, in Verantwortungspositionen zu kommen, wenn er die handwerklichen und charakterlichen Fähigkeiten dazu hat. Momentan haben wir 13 Gesellschafter, aber prinzipiell kann jeder einsteigen. Bei uns hat der Mitarbeiter jede Aufstiegsmöglichkeit – vom Lehrling zum Meister, zum Teamleiter bis hin zum Gesellschafter.

Wie viel Innovationskraft steht hinter dem Dorfinstallateur?

Wir können heute natürlich nicht in dem Tempo innovativ sein wie früher. Gleichzeitig ist unser Stand der Technik nicht der allgemeine Stand der Technik. Das Thema Erneuerbare Energie ist bei uns tief verankert. Wenn jemand in die Energiezukunft mitgehen will, geht er mit uns. Wir haben nicht die billigsten Produkte, aber wenn man den Lebenszyklus anschaut, die wirtschaftlichsten. Die Billigschiene war nie ein Thema für uns. Dafür sind wir vermutlich das einzige Unternehmen im Land, das für alle Produkte geschultes Wartungspersonal hat. Dadurch können wir alles selbst servicieren.

Heute sind Sie mit dem Dorfelektriker unter einem Dach. Wie kam es zur Zusammenarbeit?

Herbert Mittelberger hat das Unternehmen gegründet. Mit der Zeit sind wir drauf­gekommen, dass wir fast denselben Kundenstock haben, dieselbe Hard- und Software nutzen und vor allem auch, dass wir dieselbe Ideologie haben. So kam es dazu, dass es zur Angleichung des Firmennamens kam. Betriebswirtschaftlich sind wir allerdings völlig unabhängig voneinander.

Wie stolz sind Sie auf den Erfolg des „Dorfinstallateurs“?

Jeder Erfolg erfüllt einen mit Stolz. Aber nur wenn man etwas aus Überzeugung macht und die positive Entwicklung miterlebt. Stolz machen mich die vielen positiven Rückmeldungen der Kunden. Viele kommen schon seit Generationen zu uns.

Ist es leicht, sich nach 40 Jahren vom Unternehmen zurückzuziehen?

Es fällt leicht, wenn man sieht, dass seine Ideologie weiter gelebt wird. Verzweifeln würde ich, wenn es nach meinem Austritt in eine gänzlich andere Richtung ginge. Man kann einen Betrieb nur begleiten, wenn man genug Abstand hat. Wenn man mich braucht, stehe ich zur Verfügung und bringe gerne meine Sicht ein.

Die Erfahrung muss jeder selbst machen, aber von mir kann man sich immer Tipps holen.

Zur Person

Arnold Feuerstein
Gründete 1973 seinen Installationsbetrieb, den heutigen „Dorfinstallateur“

Geboren: 26.9.1948 in Au

Ausbildung: Volksschule, Hauptschule, Lehre als Installateur bei der Firma Bechter in Bregenz

Laufbahn: vier Jahre bei einem Installationsbetrieb in Aargau (CH), 1983 Start in die Selbstständigkeit als Ein-Mann-Betrieb in Götzis

Familie: Partnerschaft, 5 Kinder, 2 Enkel