Andreas Scalet

Kommentar

Andreas Scalet

Selbstständig Impulse setzen

Markt / 20.02.2013 • 22:06 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

In Vorarlberg findet derzeit wieder das lustige Landesrat-Raten statt – das Kulturressort steht zur Disposition, und es ist zu befürchten, dass bei dieser Besetzung wie schon bei einigen Entscheidungen in der Vergangenheit die Berechenbarkeit zählt und nicht die politische Vision. Kultur wird verwaltet in Vorarlberg, seit Hans-Peter Bischof die politische Bühne verlassen hat. Auch dem jetzigen Landeshauptmann Markus Wallner ging es in seiner Zeit als Kulturreferent weniger darum, mutige Entscheidungen zu treffen, als vielmehr darum, alle Kulturveranstalter mit so viel Zuwendung sowohl politischer wie finanzieller Art zu bedenken, dass keine Unruhe in den sensiblen Kulturkreisen aufkommt und auch die politisch konservative Klientel nicht aufmuckt. Das ist ihm gelungen. Wallner und jetzt auch Andrea Kaufmann haben das Ressort „verwaltet“, doch neue Impulse gab und gibt es nicht.

Neue Impulse kommen aber nicht von Verwaltern, dazu braucht es offenbar Freiberufler oder Unternehmer, wie die jüngere Geschichte zeigt. Der Bludenzer Anwalt Guntram Lins hat als Kulturlandesrat mutig und oft auch gegen die Intentionen vieler Parteikollegen die kleinen und alternativen Kulturveranstalter im Land unterstützt und Projekte wie das Kunsthaus angeschoben, während Bürgermeister noch zugange waren und kritische Stimmen mit Subventionsentzug bestraften. Um solche Politik umzusetzen, braucht es Menschen, die finanziell und geistig unabhängig sind, die die Freiheit haben, auch ohne politisches Mandat überleben zu können. Was für Lins gilt, gilt auch für Hans-Peter Bischof: Er setzte wichtige Impulse, auch er nahm sich die Freiheit, die Berufs­politiker offenbar nicht mehr kennen, weil sie vom Amt und Wohlwollen des Umfelds viel zu abhängig sind.

Markus Wallner, der nun schon geübt ist beim Installieren neuer Landesräte und dabei immer sichere Lösungen bevorzugt hat, könnte jetzt Selbstbewusstsein und Mut zeigen. Er hat die Chance, gerade in diesem Ressort zu zeigen, dass die Landesregierung nicht nur Besitzstände verwalten, sondern neue Impulse setzen will. Selbstständige und Freiberufler sind in zahlreichen kulturellen Initiativen engagiert – und zwar in solchen, die wirklich Dinge weiterbringen. Ihnen soll dieses Feld überlassen werden, auf dass sie das tun, was sie auch im beruflichen Alltag tun – innovativ sein, neuen Ideen Platz geben, „ermöglichen“. Vielleicht ist das nicht immer angenehm. Apropos: Mehr unternehmerischer Geist würde auch dem Landtag guttun. Denn Entscheidungen finanziell und geistig unabhängiger Menschen sind nicht nur in der Kultur gefragt, sondern bereichern die Politik insgesamt.

andreas.scalet@vn.vol.at, 05572/501-862