Feldkircher Anwalt holt Millionen für AMIS-Opfer

Markt / 22.02.2013 • 19:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Den größten Teil ihres Geldes haben die betrogenen Anleger jetzt zurückerhalten. Sie sind mit einem blauen Auge davongekommen.
Den größten Teil ihres Geldes haben die betrogenen Anleger jetzt zurückerhalten. Sie sind mit einem blauen Auge davongekommen.

Ansprüche von 1800 Anlegern wurden mit der Republik Österreich verglichen.

Feldkirch. (VN-sca) Happy End für Geschädigte acht Jahre nach der Pleite des ­Finanzdienstleisters AMIS: Die Gruppe „Berater helfen AMIS-Geschädigten“ unter der Führung von Heinz Kapferer konnte nach jahrelangem Ringen durch den Feldkircher Rechtsanwalt Dr. Hansjörg Vogl einen Vergleich mit der Republik Österreich herbeiführen. Tätig werden, so der juristische Fachausdruck, gegen die Republik Österreich konnte der „kleine Vorarlberger Landanwalt (O-Ton Vogl im Gespräch mit den VN), weil der Prozess von der Liechtensteiner „EAS – Erste Allgemeine Schadenshilfe AG“ finanziert wurde.

„Für die Geschädigten nahm damit diese Betrugsaffäre ein gutes Ende“, freut sich der Anwalt, der mit einem eigenen Büro in Schaanwald vertreten ist. Insgesamt erstritt er über vier Millionen Euro. Und die wurden in dieser Woche bereits an die 1800 Geschädigten, davon 1200 aus Österreich und der Rest aus Deutschland, ausbezahlt.

Großer Aufwand, großer Erfolg

Der Aufwand war beträchtlich: Für jedes Opfer musste der Sachverhalt erhoben werden. Selbstredend gingen in vielen Fällen die Meinungen der Finanzprokuratur, welche die Republik Österreich vertrat, und des Anwalts diametral auseinander. Heinz Kapferer und er haben, so Vogl im Gespräch mit den VN, mehrere Hundert Stunden für die Erhebung der Daten und deren prüffähige Aufbereitung gebraucht. Die EAS hat den 1800 Klägern Sicherheit im Prozess um ihre Einlage gegeben, die Schadenshilfe wäre auch bereit gewesen, die Prozesskosten für die 1800 Geschädigten aufzubringen, falls kein Vergleich zustande gekommen wäre.

Vogl und Kapferer haben sich für einen anderen Weg entschieden: Nach Abwägen der Vor- und Nachteile beschlossen sie, die Republik Österreich nicht zu klagen und einen Vergleich vorzuziehen. Aus gutem Grund: Über 90 Prozent der Geschädigten haben nämlich einen Vergleich bevorzugt.

Im Prozessfall hätten 1800 Individualsachverhalte aufgeklärt werden müssen. Bei jedem Geschädigten hätte dann untersucht werden müssen, wie er sein Geld veranlagt hätte, wenn die Finanzmarktaufsicht die AMIS Organisation rechtzeitig verboten hätte, erklärt Vogl die Konsequenzen eines Prozesses. Damit wären jene Geschädigten, welche vor dem 1. Jänner 2002 ihr Geld angelegt haben, im wahrsten Sinne des Wortes in der Luft gehangen. Und ein Prozess hätte die für die betrogenen Anleger teure Affäre um weitere zehn Jahre verlängert.

Nachdem der Vergleich geschlossen wurde, hat die Republik den Entschädigungsbetrag von über vier Millionen Euro fristgerecht bezahlt. Diese Woche haben die Kläger ihr Geld bekommen, freut sich Anlegerberater Heinz Kapferer über das gute Ende einer bösen Affäre.

Auch die Geschädigten aus den Konkursverfahren in Luxemburg werden zirka 50 Prozent des einbezahlten Betrages erhalten. Die Geschädigten sind aus dieser von Anfang an als Betrug geplanten Anlage noch einmal mit einem „blauen Auge“ davongekommen, gibt Vogl Entwarnung.

Für einen kleinen Anwalt aus Vorarlberg und seine Klienten ist dieser Vergleich ein großer Erfolg. Hansjörg Vogl

Stichwort: AMIS-Pleite

Die Pleite des Finanzdienstleister AMIS war aufsehenerregend. Insgesamt waren rund 10.000 österreichische Anleger davon betroffen. Die AMIS-Gründer und -Betreiber wurden wegen schweren Betrugs verurteilt. Die Republik muss nun Ersatz leisten, da sie ihrer Aufsichtspflicht nicht ausreichend nachkam.

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