Im ländlichen Raum wird Auto immer wichtig sein

Markt / 22.02.2013 • 20:59 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Michael Kubesch dirigiert ein Dienstleistungsunternehmen mit rund 100 Mitarbeitern in Vorarlberg. Foto: VN/Paulitsch
Michael Kubesch dirigiert ein Dienstleistungsunternehmen mit rund 100 Mitarbeitern in Vorarlberg. Foto: VN/Paulitsch

Dornbirn. Der ÖAMTC, in Vorarlberg durch den VATC (Vorarlberger Auto Touring Club) repräsentiert, ist der Österreicher und auch der Vorarlberger liebster Verein und hat sich seit seinem Bestehen zwar sehr gewandelt, aber dennoch seine Kernkomptenzen behalten. Direktor ist Michael Kubesch. Er kennt die Anforderungen, denn schon sein Vater hat diese Funktion erfüllt. Im Gespräch mit den VN skizzierte er die Aufgabe des Mobilitätsvereines, neue Perspektiven und alte Tugenden. Eine Vereinsstruktur gibt es auch noch. Ehrenamtlich steht der Dornbirner Wolfgang Zumtobel dem Verein vor.

Was ist der ÖAMTC eigentlich, Interessenvertretung, Dienstleister, Reisebüro?

Michael Kubesch: Im Prinzip sind wir eine Organisation, die Dienstleistungen für Autofahrer bietet. Von der Entwicklung her sind wir Pannenhilfe, Nothilfe auf der Straße. Mit dem Reisebüro und anderen Dienstleistungen runden wir das Spektrum ab. Aber in erster Linie sind wir natürlich für mobile Menschen da als Dienstleistungsunternehmen. In allen Fragen der Mobilität.

Das Hauptklientel sind die Autofahrer, es kommen aber immer mehr Mitglieder zum Club, die andere Formen der Mobilität bevorzugen. Sitzen Sie da nicht manchmal zwischen zwei Stühlen?

Michael Kubesch: Wir kommen natürlich von der Autofahrerseite, das ist eine starke Gruppe. Wir versuchen uns aber immer mehr, um alle Formen der Mobilität zu kümmern. Man merkt ja selbst, dass man auf verschiedenste Weise mobil ist – anlassbezogen. Wer weiter weg muss, nimmt den Flieger oder die Eisenbahn und fast jeder benutzt auch das Fahrrad. Das ist der Grund, wieso wir uns öffnen. Ich sehe darin auch die Zukunft.

Wie stellt sich der ÖAMTC den Herausforderungen der Zukunft. Das Auto ist ja nicht mehr so unumstritten …

Michael Kubesch: Im ländlichen Raum wird das Auto immer wichtig sein, in der Stadt ist das heute schon anders, da ändern sich die Mobilitätsformen. Da sagen wir, nicht nur das Auto, sondern Verknüpfungen mit anderen Verkehrsmitteln sind notwendig. Wir haben derzeit ein interessantes Forschungsprojekt, das wir hier in Vorarlberg mit der WU Wien und mit der TU Wien umsetzen. Dabei geht es wirklich um gemeinschaftlich oder gemeinnützig organisierte Mitfahrgelegenheiten, da geht es um Themen wie Mobilität für Menschen, die kein Fahrzeug haben, es geht darum, wie man Wege beispielsweise von der Bushaltestelle oder vom Bahnhof nach Hause überbrückt. Da gibt es sehr interessante Ansätze wie das Zur-Verfügung-Stellen des Autos, das aber nicht mit Geld sondern z. B. mit Talenten abgegolten wird. Aber es wird das Auto in den nächsten zwanzig Jahren nicht verschwinden. Es wird aber eine andere Rolle spielen, es wird nicht mehr das Statussymbol sein, das es ist. Dieser Herausforderung stellen wir uns.

Stichwort Dienstleistungen. Wie verändert sich das Angebot?

Michael Kubesch: Das Auto ist nach wie vor unser Hauptthema. Am positivsten hat sich das Reisebüro entwickelt. Ein neues Projekt beschäftigt sich mit dem Thema Fahrrad: Überprüfung. Wir repapieren nicht, sondern geben Empfehlungen ab. Zum Service gehört natürlich der Versicherungsschutz, der Schutzbrief und auch Urlaubsversicherungen.

Wie steht der ÖAMTC zu neuen Verkehrskonzepten, zu alternativen Antriebsformen?

Michael Kubesch: Wir sind ganz von Anfang an beim Vlotte-Projekt als Partner dabei gewesen, wir haben auch ein Elektroauto. Ich fahre das selbst. Wir möchten vor allem wissen, wie funktioniert Elektromobilität auch im Alltag. Wir waren auch im Werk in Skandinavien, um das Auto besser servieren zu können. Aber man muss sagen, das ist noch nicht ausgereift, das ist nicht serienreif.

Können die gelben Engel helfen, wenn ein E-Auto liegen bleibt?

Michael Kubesch: Die Mitarbeiter sind alle geschult, sie haben das richtige Equipment im Auto. Bisher waren es immer Abschleppungen, die wir durchgeführt haben, weil die Batterie leer war.

2010 war für den ÖAMTC ein schwieriges Jahr, 2011 ein Jahr der Konsolidierung. Was war 2012? Was ist für eine Non-Profit-Organisation ein schwieriges Jahr?

Michael Kubesch: Für uns war es schwierig, weil 2010 gesamtwirtschaftlich schwierig war. Wir haben nicht gewusst, wohin die Reise geht. Wir haben personell einige Änderungen gehabt, weil Mitarbeiter in die Pension gegangen sind oder schwanger wurden. Wir hatten einige Bauprojekte und haben in die Vlotte investiert. Wir haben viel Geld ausgegeben und deshalb mussten wir 2011 konsolidieren. Wir sind nicht auf Gewinn ausgerichtet, aber das Ergebnis sollte schon positiv sein. 2012 war wieder sehr gut, wir können unsere Investitionen selbst finanzieren.

Wie setzt sich Ihr Budget zusammen?

Michael Kubesch: Die Haupteinnahmequelle sind die Mitgliedsbeiträge und Schutzbriefe, die machen 70 Prozent aus. Der Rest sind Kostenbeiträge, die wir im Prüfdienst, bei Pannenhilfen und durch den Warenhandel erwirtschaften. Wir müssen jetzt und in den nächsten zwei Jahren noch Geld verdienen, weil wir ein größeres Bauprojekt vorhaben.

Wie groß ist der Einfluss als Interessenvertretung?

Michael Kubesch: Beim Spritpreis können wir gegen die großen Konzerne nicht viel machen, aber bei verkehrspolitschen Themen haben wir sehr wohl eine starke Stimme, die von der Politik im Land und bundesweit auch gehört wird.

Das Elektroautomobil ist noch nicht wirklich ausgereift, es ist einfach nicht marktfähig.

Zur Person

Mag. Michael Kubesch, MBA

Der Betriebswirt hat seit 1996 die Geschäftsführung des VATC (ÖAMTC Vorarlberg) inne

Geboren: 21. November1963

Ausbildung: BWL-Studium an der Universität in Graz. Zusätzliche Hochschulabschlüsse in Zürich und den USA

Laufbahn: 12 Jahre in der Steiermark, seit 1994 wieder im Land und seit 1996 Landesdirektor

Familie: verheiratet, drei Kinder

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