Tunnelsperre lässt Frächter nicht kalt

Markt / 22.02.2013 • 20:10 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Tunnelsperre lässt Frächter nicht kalt

Sanierung des Arlberg­tunnels sorgt für Diskus­sion. Frächter stellen Forderungen an Politik.

Klösterle, St. Jakob. Eines gleich vorweg: Dass die Arlbergtunnel-Röhre, durch die am 1. Dezember 1978 erstmals ein Fahrzeug rollte, einer Generalsanierung bedarf, daran hat niemand Zweifel. Für Aufregung in der Wirtschaftskammer und vor allem unter Frächtern sorgt hingegen die vom Straßenerhalter Asfinag geplante mehrmonatige Vollsperre des Tunnels in den Jahren 2015 und 2017 (Factbox). Wirtschaftskammer und Frächter fordern für die Dauer der beiden Vollsperren die Aussetzung sektoraler Fahr- und Anhängerverbote für den Schwerverkehr über Arlberg- und Fernpass im benachbarten Tirol.

„Runderneuerung“ für Röhre

Zurück zu den Plänen der Asfinag: Im Rahmen der Generalsanierung sollen nicht nur acht neue Pannenbuchten und 37 zusätzliche Fluchtwege über den Zuluftkanal errichtet werden. Auch die Erneuerung von Elektrotechnik sowie der Einbau eines Thermoscanners, der überhitzte Schwerfahrzeuge oder Busse bereits vor der Durchfahrt zum Abkühlen aussortiert, und eine Hochdruck-Sprühnebelanlage sind in dem Vorhaben enthalten. „Wir haben viel Hirnschmalz in die Abwicklung der Arbeiten investiert. Uns ist bewusst, welche Probleme auf die Frächter zukommen. Deshalb starten wir zwei Jahre vor Sanierungsbeginn breit angelegte Informationskampagnen“, betont Alois Schedl als Vorstandsdirektor der Asfinag. Darüber hinaus versuche man „mit Bonussystemen für beauftragte Firmen eine noch schnellere Fertigstellung der Sanierung“ herbeiführen zu können.

Eines steht für Schedl und Klaus Fink als Asfinag-Geschäftsführer „nach Prüfung aller Varianten“ jedoch fest: „An einer Vollsperre führt kein Weg vorbei.“ Davon hält Manfred Rein als Präsident der Wirtschaftskammer „bei allem Verständnis für die Sanierung“ wenig. Rein schlägt vor, den Bau eines Rettungstunnels zu prüfen. „Statt einem teuren Fluchtwegesystem könnte ein befahrbarer Tunnel errichtet werden.“ Es könne nicht sein, „dass Routen für die Transportwirtschaft plötzlich doppelt so lang werden. Hier gilt es Vernunft walten zu lassen und ein Entgegenkommen der Behörden einzufordern“, schloss Rein.

Eigener Fluchttunnel zu teuer

Der Bau eines Fluchttunnels sei geprüft worden und würde „bis zu 300 Millionen Euro“ verschlingen, hält Alois Schedl dem Vorschlag Reins entgegen. Die Transportwirtschaft werde nicht umhin kommen, ihre Logistik umzustellen und während der Vollsperren Transporte über Deutschland zu führen, fügte Klaus Fink hinzu. Fink rät davon ab, „mit aller Gewalt die Arlbergstraße als Ausweichroute vorzuschlagen“.

Es gehe nicht um den Arlberg als Ausweichroute, betont Christoph Linder von der Fachgruppe Güterverkehr in der Wirtschaftskammer im Gespräch mit den VN. Linder fordert „das Aussetzen von Fahrverboten für Teile des Schwerverkehrs sowohl über Arlberg- als auch Fernpass“. Vor allem der Warenverkehr zwischen Tirol und Vorarlberg mit geschätzten 3000 Schwerfahrzeugen pro Monat müsse auch bei einer Vollsperre ­aufrechterhalten werden können, betont Linder und „lobt ausnahmsweise die Asfinag“, welche diesmal „zeitgerecht informiert“ habe. Nachsatz: „Wird dies nicht möglich gemacht, kommt es zu einem Fiasko in der Transportwirtschaft.“

Anrainergemeinden rüsten sich

In der Gemeinde Klösterle, zu der auch die Parzelle Stuben zählt, rüstet man sich. „Wir wissen um die Belastungen, die auf unsere Bürger zukommen werden“, meint Bürgermeister Dietmar Tschohl. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde St. Anton in Tirol „erarbeiten wir länderübergreifend einen Maßnahmenkatalog“.

Wir haben viel Hirnschmalz in die Pläne investiert.

Alois Schedl, Asfinag-direktor
Wird millionenschwer saniert: der Arlbergstraßentunnel. Foto: VN
Wird millionenschwer saniert: der Arlbergstraßentunnel. Foto: VN

Fakten zum Arlbergtunnel und zur Sanierung

» Investition: 136 Millionen Euro

» Bauzeit: 2014 bis 2017

» Tunnellänge: 13,972 Kilometer

» Eröffnung: 1. Dezember 1978

» Verkehrsfrequenz pro Tag: bis zu 8000 Fahrzeuge

» Verkehrsprognose bis 2015: 10.600 Fahrzeuge pro Tag

» Schwerverkehr pro Monat: bis zu 28.000 Fahrzeuge

» Neue Fluchtwege über Zuluft-kanäle: 37

» Wechselseitige Verkehrsanhaltungen in den Nachtstunden (22 bis 5 Uhr): Wintersaisonen 2014/2015, 2015/2016, 2016/2017

» Vollsperren: Mitte April bis Ende November 2015 und Mitte April bis Ende Oktober 2017

» Mautentgang für Asfinag durch Vollsperre: rund 30 Millionen Euro

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