Vorteil Familienbetrieb

Markt / 24.02.2013 • 20:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Blum Beschläge aus Höchst ist ein Parade-Familienunternehmen, das weltweit erfolgreich ist. Foto: rhomberg
Blum Beschläge aus Höchst ist ein Parade-Familienunternehmen, das weltweit erfolgreich ist. Foto: rhomberg

Vorarlberg ist das Land der Familienbetriebe. Doch was macht sie so erfolgreich?

Schwarzach. Große Familienunternehmen sind langfristig erfolgreich durch stetige Innovation, wohlkalkuliertes Risiko und eine konservative Vermögensverwaltung. Das zeigt eine Studie der Universität St. Gallen (HSG) und der Bank Credit Suisse. Befragt wurden die Eigentümer von gut 300 großen Familienunternehmen in Österreich, Deutschland und der Schweiz.

In Österreich liegt der Anteil der Betriebe in Familienhand bei 80 Prozent. In Vorarlberg ist der Anteil noch höher. „Familienunternehmen prägen ganz klar die Wirtschaftsstruktur des Landes“, sagt Wirtschaftskammer-Präsident Manfred Rein. Gerade sie seien es, die über hohe Mitarbeiterbindung verfügen und große soziale Verantwortung auf lokaler wie regionaler Ebene übernehmen würden.

Wirtschaftliche Vorteile sieht Rein dadurch gegeben, dass sie eine langfristige Strategie verfolgen und nur geschäftliches Risiko übernehmen, das insgesamt überblickbar ist. „In wirtschaftlich schwierigeren Zeiten wie diesen zeigt sich, dass Nachhaltigkeit und langfristige Wachstumsverläufe – wie eben bei Familienunternehmen – vor kurzfristiger Gewinnmaximierung stehen sollten“, sagt Rein. Entscheidungen würden vielfach informeller und oft emotionaler getroffen. Gewinne würden häufiger in das Unternehmen reinvestiert. Dabei werde laut dem WKV-Präsidenten eher auf eigene Mittel und Bankkredite als auf externe Kapitalgeber zurückgegriffen.

Regionale Verankerung

Hubert Bertsch, Präsident der Industriellenvereinigung, leitet mit der Bertsch Holding GmbH selbst erfolgreich ein großes Familienunternehmen und weiß, dass „bei Familienunternehmen Stabilität, Tradition, Identifikation mit dem Unternehmen und die regionale Verankerung eine wichtige Rolle spielen“.

Ein weiteres Familienunternehmen aus Vorarlberg, das international Erfolg hat, ist Loacker Recycling in Götzis. Im Betrieb sind mittlerweile neun Familienmitglieder beschäftigt, wodurch sich einige Wettbewerbsvorteile ergeben. „Entscheidungswege sind aus dem Familienverband gelernt“, sagt Gerald Engler, Schwiegersohn und Mitglied der Geschäftsleitung bei Loacker Recycling. Besonders in schwierigeren Zeiten sei ein Familienverband stärker als andere Systeme. „Familienverbände halten Hochs und Tiefs gut aus, egal ob es um wirtschaftliche oder zwischenmenschliche Themen geht“, ist Engler überzeugt. Familiengeführte Unternehmen profitieren im Wettbewerb aber nicht nur von ihrer Struktur, sondern auch von der hohen Dichte an Familienunternehmen hierzulande. „Familienbetriebe haben gemeinsame Interessen und Herausforderungen, das verbindet und hilft im Geschäftsleben. Geschäftsbeziehungen zu anderen Familienbetrieben sind einfacher, da die Systeme ähnlich sind“, sagt Engler. Vor allem steckt in einem eigenen Betrieb aber noch mehr Herzblut.

Wirtschaftsstandort profitiert

Die Entwicklung zum heutigen Wirtschaftsstandort Vorarlberg ist laut IV-Geschäftsführer Mathias Burtscher zu einem großen Teil den Familienbetrieben zu verdanken. „Das Bekenntnis zum Standort ist stärker gegeben“, sagt Burtscher und führt aus: „Das kommt der Beschäftigung und dem Wohlstand in unserem Land sehr zugute.“

Familienbetriebe prägen klar unsere Wirtschaftsstruktur.

Manfred Rein, WKV-Präsident

Familienbetriebe haben gemeinsame Herausforderungen. Das verbindet und hilft im Geschäftsleben.

Gerald Engler, Loacker Recycling

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