Zweckoptimismus bei Hervis

Markt / 19.03.2013 • 20:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Sportartikelhändler kann keine Krise erkennen. Europaweit neun neue Filialen geplant.

Wien. Der Sportartikelhandel hat zuletzt nicht gerade positiv von sich reden gemacht. Der finanziell angeschlagene Branchenführer Eybl/Experts braucht zum Überleben einen neuen Eigentümer. Die anderen Händler suchen sich starke Partner, um am Markt mehr Gewicht zu bekommen und zu besseren Konditionen anbieten zu können. Das angespannte Wirtschaftsumfeld, der Wettbewerbsdruck und das immer stärker werdende Onlinegeschäft tragen das Ihre dazu bei.

Bei Hervis sieht man sich von all dem praktisch kaum betroffen und übt sich in Zweckoptimismus: „Wir lassen uns die Branche nicht krankreden. Wir können überhaupt keine Krise erkennen“, sagte Hervis-Chef Al­fred Eichblatt am Dienstag vor Journalisten. „Allen Branchenunkenrufen zum Trotz geht es Hervis in Österreich und international sehr gut“, meinte auch Spar-Vorstand Hans Reisch.

Kleines Minus gegenüber 2011

2012 setzte die Spar-Tochter Hervis in ihren 76 Österreich-Filialen sowie den 97 Geschäften im Ausland – vorwiegend in Osteuropa – 441 Mill. Euro um, währungsbereinigt sei das ein „kleines Minus“ gegenüber 2011 gewesen. Heuer erwarten die Chefs ein leichtes Umsatzplus im einstelligen Bereich. „Die ersten zwei Monate waren durchaus ermutigend“, so Eichblatt. Zwar sei der Dezember eine „bittere Enttäuschung“ gewesen, dafür der Jahresanfang gut.

Außer in Ungarn im Plus

Abgesehen von Ungarn, mit 29 Filialen der größte Auslandsmarkt, sei man in allen Ländern auf EGT-Basis im Plus, sagte Reisch. Insgesamt liege der Vorsteuergewinn im zweistelligen Millionenbereich. Wenngleich Hervis in Ungarn seit 2009 rote Zahlen schreibe, gebe es dort „kein Fragezeichen“. „Ungarn ist für uns kein Krisenland“, betonte Eichblatt. Zu schaffen machte Hervis in Ungarn eine im Oktober 2010 beschlossene „Krisensteuer“. Handelskonzerne mussten 2,5 Prozent des Umsatzes an den ungarischen Fiskus abliefern, bei Spar machte das 25 Mill. Euro pro Jahr aus. Hervis wurde mit Spar gemeinsam betrachtet, weshalb man deutlich mehr zahlte als die Konkurrenz. Die anderen Sporthändler mussten laut Reisch nur 0,2 Prozent des Umsatzes abliefern. Da die Steuer heuer nicht mehr eingehoben werden soll, erwartet Reisch, dass das Ergebnis wieder ins Plus dreht.

Hervis plant heuer in Österreich vier neue Filialen, im Ausland sollen fünf neue dazukommen. Eine „Vorzeigefiliale“ soll jene im Einkaufszentrum Wien-Mitte („The Mall“) werden, die sich dem Multichannel-Konzept verschreibt, also der Verzahnung zwischen Online und Offline. Kunden können zu Hause bestellen und die Ware im Geschäft abholen. Oder im Laden bestellen und nach Hause liefern lassen. Das ist aus der Sicht des Hervis-Chefs auch der größte Vorteil gegenüber reinen Onlinehändlern. Dass der stationäre Handel über kurz oder lang vom Onlinehandel verdrängt wird, glaubt Eichblatt nicht. „Ich glaube, es wird ein Neben- und Miteinander. Aber klar, für manche wird es schwieriger werden als für andere.“ Bei Hervis jedenfalls gebe es keine Pläne, bei der Expansion Abstriche zu machen.

Gleicher Preis wie Onlinehandel

Auch das größte Asset der Onlinehändler, der Preis, bereitet Eichblatt keine Sorgen. „Wir beobachten die Online-Preise sehr genau und stellen sicher, dass wir den gleichen Preis haben.“ Der Sportartikelhandel zählt zu jenen Branchen, in denen Aktionen eine große Rolle spielen. Insbesondere Hervis tritt sehr preisaggressiv auf.

Fast 70 Prozent des Umsatzes macht Hervis inzwischen mit Laufschuhen bzw. allem rund ums Laufen, Fahrrädern und Outdoor-Sportarten. Das Wintergeschäft ist rückläufig und macht nur noch 20 Prozent des Umsatzes aus. Das Onlinegeschäft sei steigend. „Die Steigerungsraten sind von Monat zu Monat größer“, so Eichblatt. Zahlen nannte er nicht. Das volle Sortiment will Hervis im Internet nicht anbieten, höchstens 75 bis 80 Prozent.