Ländle-Tischler und das Gemeinwohl

Markt / 20.03.2013 • 20:37 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Zusammenarbeit statt Konkurrenz: Tischler hörten Thesen der ­Gemeinwohlwirtschaft.

Bludenz. (VN-sca) Der Andrang war groß, rund 120 Vorarlberger Tischler versammelten sich im Alpen­gasthof Muttersberg zu ihrer Fachgruppentagung, die Innungsmeister Karl Baliko leitete. Mit allem, was dazu gehört: Tätigkeitsbericht, die Schilderung der aktuellen Lehrlingssituation, Ehrungen langgedienter und engagierter Berufsgruppenfunktionäre und sogar der Versteigerung einer CNC-Maschine. Die kam allerdings nicht richtig in die Gänge, der Preis für das Gerät blieb niedrig, weil sie im WIFI Hohenems selbst abholt werden muss. Der Transport wird aller Voraussicht nach teurer als die Maschine selbst.

Die Wogen gingen höher bei der Diskussion um die Staubverordnung, die die Holzhandwerker vor große Probleme stellt. Und sie beruhigten sich wieder – als der Vortragende des Abends zum Referat ansetzte. Die Tischler haben Christan Felber eingeladen. Der Autor und Aktivist propagiert die Gemeinwohlwirtschaft, mithin ein neues Wirtschaftsmodell.

Rege Diskussionen

Und das sorgte schon im Vorfeld für rege Diskussionen in der Wirtschaftskammer, denn dort stehen die Wirtschaftspolitiker diesem Modell skeptisch gegenüber. Ob zu Recht oder zu Unrecht, das wollte der Direktor der Kammer, Helmut Steurer, selbst erfahren, denn er reiste extra zum Vortrag an. Um es kurz zu sagen: Der Kammer-Manager blieb skeptisch. Und Felber erhielt für seine Utopie einer besseren Wirtschaft von den Handwerkern viel Applaus. Er erzählte von Kooperation, statt Konkurrenz, von fairen Bedingungen für Mitbewerber, Mitarbeiter, Kunden und schließich auch die Gesellschaft. Er brachte Argumente und Beispiele, z. B. auch einen anwesenden Tischler, der trotz „sanfter Wirtschaft“ Geld verdient und zufrieden ist. Felbers Vorschläge waren so realistisch, dass sie zumindest nicht rundweg abgelehnt wurden. Und die Tagung war so interessant, dass auch nächstes Jahr wieder viele Tischler kommen werden.