Weniger Firmen insolvent, weniger Private pleite

Markt / 21.03.2013 • 22:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Niedrigster Stand an Insolvenzverfahren seit 20 Jahren, auch Privat-insolvenzen um 24 Prozent gesunken.

Feldkirch. Nachdem in den letzten Jahren gerade am Sektor der Industrie eine Insolvenzwelle hingenommen werden musste, zeichnet sich im Bereich der Firmeninsolvenzen in Vorarlberg eine überaus überraschende, in dieser Form nicht zu erwartende positive Entwicklung ab, berichtet die Vorarlberger KSV 1870-Geschäftsführerin Sabine Welte:

Spitzenreiter

Mit einem Rückgang von 43,9 Prozent nimmt das Land Vorarlberg mit großem Abstand, gefolgt von Oberösterreich (Rückgang von 20,8 Prozent), die Spitzenreiterposition ein. Auch wenn österreichweit ein Rückgang von 8,9 Prozent festzustellen war – zu einem Zuwachs kam es nur in Tirol – ist die eingetretene nahezu Halbierung in Vorarlberg doch bemerkenswert. Ein ebenso markanter Rückgang ergibt sich bei der Höhe der Passiva, welche von 19 Mill. auf 8 Millionen Euro schrumpften.

Wermutstropfen Konkurs

Als besonders erfreulich erweise sich dabei, dass sich insbesondere die Anzahl der nicht eröffneten Insolvenzverfahren sich von 29 im Vorjahreszeitraum auf nunmehr zwölf reduzierte, stellt Welte fest. Die Anzahl der Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung erhöhte sich von zwei auf vier und damit um 100 Prozent. Als Wermutstropfen erwies sich allerdings, dass zwei dieser Verfahren in ein Konkursverfahren übergeleitet werden mussten. Im Branchenvergleich waren es in Vorarlberg die Transport- und Speditionsbranche mit fünf Verfahren, gefolgt vom Gastgewerbe und der Bauwirtschaft mit je vier Verfahren, welche die Liste der Insolvenzverfahren anführen.

Auch im Bereich der Privatinsolvenzen ist Vorarlberg Klassenprimus: Zwar kam es – mit Ausnahme Salzburgs (+ 12,4 Prozent) – in fast allen Bundesländern zu einem Rückgang an Privatinsolvenzen, auch hier nimmt aber Vorarlberg mit einem Rückgang von 178 auf 136, was einer Reduktion von 23,6 Prozent entspricht, die Führungsposition ein.

„Der nun zu verzeichnende deutliche Rückgang im Bereich der Privatkonkurse mag der Tatsache geschuldet sein, dass in den vergangenen Jahren in Vorarlberg ein hohes Niveau an eröffneten Verfahren bestand“, analysiert die KSV-Expertin die Zahlen.

Auswirkungen auf Wachstum

Ob dieser positive Trend – insbesondere bei den Firmeninsolvenzen – anhalte, bleibe noch abzuwarten: Die Konjunkturschwäche vieler Handelspartner im Ausland könnte Auswirkungen auf das Wachstum heimischer Unternehmen mit ihren hohen Exportquoten haben. Im Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre gab es in Vorarlberg rund 2.300 Insolvenzverfahren mit durchschnittlich 500.000 Euro Verbindlichkeiten und drei Dienstnehmern. Umgerechnet auf ein Jahr sind das 230 Verfahren und pro Quartal somit knapp 60 Pleiten.

Mit 32 Insolvenzverfahren im ersten Quartal 2013 zeige sich somit, dass eine „Talsohle“ nach den Insolvenzwellen vergangener Jahre erreicht ist.

Unternehmensinsolvenzen in Vorarlberg

1. Quartal 2012 1. Quartal 2013 Veränderung

Firmeninsolvenzen 57 32 – 43,9 %

davon:

» Eröffnete Verfahren 28 20 – 28,6 %

» Abgewiesene Anträge 29 12 – 58,6 %

» Passiva in Mill. Euro 19 8 – 57,9 %

» Betroffene Mitarbeiter 149 156 + 4,7 %

Die größten Unternehmensinsolvenzen in den ersten drei Monaten 2013 waren (Reihung nach Schuldenhöhe):

Firma Passiva Mill. Euro Dienstnehmer

» RSB Schalungstechnik GmbH & Co KG, Fußach 3,2 47

» „VIF“ Luftfahrtgesellschaft mbH, Dornbirn 1,3 5

» FC Lustenau 1907 1,1 20