„Allein ein gutes Essen reicht nicht zum Erfolg“

Markt / 22.03.2013 • 21:33 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Reinhard Rauch ist Gastronom mit Leib und Seele und einer, dem es Spaß macht unter den Gästen zu sein. „Jeder Tisch ist anders, und wir als Team sind wie auf einer Bühne.“ Fotos: VN/Hofmeister
Reinhard Rauch ist Gastronom mit Leib und Seele und einer, dem es Spaß macht unter den Gästen zu sein. „Jeder Tisch ist anders, und wir als Team sind wie auf einer Bühne.“ Fotos: VN/Hofmeister

Feldkirch. Er ist der Innenstadt-Gastronom: Mit vier Lokalen in einem Radius von wenigen Metern sorgt der Gastronom Reinhard Rauch für Atmosphäre, gutes Essen und weltstädtische Flair.

Sie haben vor über 20 Jahren mit der Sonderbar angefangen. Dann kamen der Club, das Rauch Restaurant, das Rio und das Ox dazu. War es Ihr Plan, zu wachsen, oder war das Zufall?

Reinhard Rauch: Weder Zufall noch geplant eigentlich. Es war eher immer meine innere Unruhe, die mir nach spätestens fünf Jahren sagt, ich muss irgendwas verändern, weil mir das andere zu langweilig wird. Es gibt zwar immer genug Arbeit, aber ich muss für mich selber was Neues machen. Das ist mein innerer Antrieb.

Haben Sie „Gastronomie“ gelernt?

Rauch: Eigentlich habe ich nach der Handelsschule im Finanzamt gearbeitet. Das war aber nicht meins, und ich wollte immer ins Ausland, um zu arbeiten. Österreich war damals allerdings nicht in der EU, und die einzige Möglichkeit war das Gastgewerbe. Ich habe in einem Fünf-Sterne-Hotel als Chauffeur angefangen und war dann zehn Jahre lang auf der ganzen Welt aktiv. Das Leben aus dem Koffer hat mir aber irgendwann gereicht und ich wollte wieder was Neues machen. Das war dann gleich die Sonderbar. Der Grund dafür war, dass ich immer schon sehr musikinteressiert war, aber nirgendwo die Musik gespielt wurde, die mir gefallen hat.

Wie schafft man den Spagat zwischen vier Lokalen?

Rauch: Wichtig ist, dass man die Schlüsselstellen gut besetzt, sonst bekommt man einen heillosen Stress. Und man muss schauen, dass das Controlling gut strukturiert ist und die Informationen intern gut fließen. Dann sollte es funktionieren – wenn man den Nerv der Gäste trifft. Mit der Zeit wächst man mit. Man weiß, was man für Fehler gemacht hat. Man hat auch einen Bekanntheitsgrad und steht für etwas. Daher wird es einfacher. Die Gefahr ist, dass man sich selber Konkurrenz macht in einer so kleinen Stadt wie Feldkirch.

Das klingt so einfach, viele Gastronomen scheitern aber an der Selbstständigkeit.

Rauch: Sie scheitern eher an dem, dass sie glauben, wenn ein Lokal voll ist, muss man auch super verdienen. Sie sehen aber nicht, was dahintersteckt – vor allem den Aufwand und den persönlichen Einsatz. Man muss schon viel aufgeben. Viele merken das erst dann, wenn sie selbst ein Lokal haben. Auch einige Mitarbeiter haben schon was aufgemacht und wieder geschlossen, weil sie gemerkt haben, wenn man es richtig machen will, ist man Tag und Nacht dran.

Woher holen Sie sich die Inspiration für Ihre Lokale?

Rauch: Auf Reisen sieht man viel, aber man geht nie in ein Lokal und sagt, so was will ich auch. Das wird nie funktionieren, die Idee muss von einem selber kommen. Aber man kann aus Schaufensterauslagen eine Idee mitnehmen oder von einem branchenfernen Geschäft. Man darf nicht 1:1 kopieren, das merken die Menschen, das kommt nicht ehrlich rüber. Sie kochen in London auch nur mit Wasser, aber durch die Konkurrenz müssen sie sich mehr einfallen lassen. Wenn man aber der Platzhirsch ist, zu dem alle Gäste reinfallen, wird man faul.

Sie selbst sind am Marktplatz quasi schon Platzhirsch. Werden Sie faul?

Rauch: Das will ich nicht so sehen. Ich arbeite gerne mit den anderen Wirten zusammen, und wir haben im Sommer ein paar gemeinsame Sachen geplant. Ein gutes Einvernehmen ist schon wichtig. Ich habe das ja nicht gemacht, um der Größte zu sein. Und Konkurrenz belebt: Zum einen kommen mehr Leute, wenn es in einer Stadt mehr Lokale gibt, und zum anderen belebt es dich als Wirt, weil man zum Überlegen angehalten ist, ob man wieder was ändern sollte.

Wieso kommen die Gäste in Ihre Lokale?

Rauch: Allein ein gutes Essen reicht nicht mehr. Jeder Gast hat seine Neigungen, da muss man schauen, dass man seine Zielgruppe findet. Ambiente ist ein großer Teil, genauso wie die Mitarbeiter. Die binden die Gäste genauso. Die kommen dann nicht mehr zu mir, sondern zu Lukas ins Rio oder zu Simone an die Bar. Darum ist es wichtig, dass ich sympathische Leute habe, die das rüberbringen.

Ein Problem in der Gastronomie ist, dass viele die Stelle wechseln bzw. den Beruf aufgeben.

Rauch: Das stimmt, aber es kommen jedes Jahr viele Gute nach, auch durch die Lehrlinge. Da darf man nicht klagen. Schlussendlich ist es ein Geben und Nehmen. Man muss die Mitarbeiter auf eine gute Art führen. Ich bin der Typ, der über Probleme auch redet. Bei uns läuft es im Team eher locker ab. Das Gegenteil gibt es im Gastgewerbe leider auch. Vor 10 Jahren sind viele geknechtet worden, teilweise knapp an der Ausbeuterei vorbei. Das hat sich herumgesprochen. Aber das hat sich zum Glück geändert und wird sich noch mehr ändern müssen.

Gibt es Pläne für neue Lokale?

Rauch: Reichen würde es eigentlich, aber wir müssen neben dem Rio in der ehemaligen Eduscho-Filiale noch was aufmachen wegen dem Garten. Da bin ich unter Zugzwang. Danach sollte aber einmal Pause sein.

Im Gastgewerbe bekommt man auch sehr viel zurück. Man kennt viele Leute, das macht Spaß.

Das VN-Gespräch mit Reinhard Rauch fand im Rio am Feldkircher Marktplatz statt. Der Fokus des Lokals liegt auf italienischen Speisen.
Das VN-Gespräch mit Reinhard Rauch fand im Rio am Feldkircher Marktplatz statt. Der Fokus des Lokals liegt auf italienischen Speisen.

Rauch-Gastronomie

» Rauch Restaurant
Regionalität und moderne

Küche im Restaurant, Private Dining Room, Café und Bar. Auszeichnungen von Gault Millau und anderen Gastronomieführern.

» Rauch Club
Der Rauch Club versteht sich als Ort, wo elektronische Musik passiert und erlebt werden kann. Live-Acts und Aktionen.

» OX MINI & DELI
Bar und Feinkostgeschäft in der Ochsenpassage. Spezi­alitäten aus regionaler Produktion.

» Rio
Kino, Restaurant, Bar

» Mitarbeiter: 60

» Geschäftsführer und Besitzer: Reinhard Michael Rauch

Zur Person

Reinhard Rauch

Betreiber von vier Lokalen in der Feldkircher Innenstadt

Geboren: 21. 3. 1962

Ausbildung/Laufbahn: Handelsschule, Tätigkeit beim Finanzamt, 10 Jahre in der Gastronomie weltweit, Eröffnung Sonderbar, Rauch Club, Rauch Restaurant, Rio, Ox

Familie: Freundin