Kollektiv raubt Energie

Markt / 22.03.2013 • 12:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Zwei, die wissen, wie sich Erfolg anfühlt. Ex-Skistar Marc Girardelli mit Buchautor und Unternehmensberater Herbert Loos. Foto: Dietmar Hofer
Zwei, die wissen, wie sich Erfolg anfühlt. Ex-Skistar Marc Girardelli mit Buchautor und Unternehmensberater Herbert Loos. Foto: Dietmar Hofer

Acht Pferde geben bei Weitem nicht so viel Leistung wie eines, sagt Unternehmensberater Herbert Loos.

ERFOLG. (VN-dh) Es klingt verblüffend und vielleicht auch ein wenig befremdend, wenn Unternehmensberater und Buchautor Herbert Loos mit gängigen Firmengepflogenheiten aufräumt. „Führen Sie kein Bonussystem ein und vermeiden sie möglichst ein im Kollektiv arbeitendes Team“, ließ der Chemie-Ingenieur und Doktor der Betriebswirtschaft bei seinem Vortrag in der Sparkasse Feldkirch wissen. Der 46-Jährige stellt mit diesen Behauptungen keine leeren Thesen auf, sondern untermauert sie mit wissenschaftlichen Fakten. So hätte es in den 1980er-Jahren ein Feldversuch mit Pferden gegeben. „Zunächst wurde ein Pferd vor die Kutsche gespannt, dann zwei, später vier und zuletzt acht. Wer aber glaubt, dass sich die Leistung durch die größere Menge multipliziert, liegt völlig falsch. Das Gegenteil ist der Fall. Je größer die Gruppe, desto mehr flacht das Ganze ab“, klärt Loos auf. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass bei einem Achter-Gespann jedes einzelne Pferd nur noch 50 Prozent seiner Kapazität erbringt. „In Wahrheit ist man also nicht mit acht, sondern mit vier PS unterwegs.“ Testreihen bei Menschen ergaben ähnliche Ergebnisse.

Das Problem mit den Ratten

Der „Bergführer für Unternehmer“, wie sich der Wahl-Harder selbst bezeichnet, zeigt mit diesem Beispiel auf, dass im Kollektiv Energie verpufft. „Holen Sie sich also keine Ruderer ins Boot, sondern lieber Staffelläufer“, so sein Rat an die Führungskräfte. Denn eine gute Staffel zeichnet sich dadurch aus, dass jeder Einzelne das Optimale aus sich rausholt. Und diese Einstellung ebnet den Weg zum Erfolg. Auch mit der „Wir haben uns alle lieb“-Theorie kann der Unternehmenssanierer nicht viel anfangen. Letztlich zählt für eine privat geführte Firma nur der Ertrag. Sprich, es muss mehr eingenommen als ausgegeben werden. „Ist das nicht der Fall, nützt das ganze Nett-Sein nicht. Denn das Unternehmen wird in diesem Fall nicht überleben.“ Leidenschaft und regelmäßige Selbstreflexion sind für einen Erfolg unerlässlich. Was Loos in seiner langjährigen Tätigkeit noch aufgefallen ist. „Für viele Unternehmen ist der Kunde nach wie vor ein unbekanntes Wesen.“ Man weiß eigentlich sehr wenig über ihn.“

Auch eine wertschätzende Behandlung der Mitarbeiter gehört zur guten Firmenstruktur. Von Bonifikationen hält er jedoch nichts. Warum definiert der gebürtige Oberösterreicher an einem etwas abstrusen Beispiel. „In der französischen Kolonialzeit wollte man die Rattenplage damit bekämpfen, dass es Geld für jede getötete Ratte gab. Das Ergebnis war, dass die Menschen begannen, Ratten zu züchten, um sich mehr Geld zu holen. Und am Ende gab es noch mehr Ratten.“

Buchtitel von Herbert Loos: „Wie werde ich meine Firma los“ (Bucher Verlag) bzw. „Zurück zum Erfolg.“ (Leykam Verlag)