„Peinliche politische Kämpfe“

Markt / 24.03.2013 • 22:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
IV-Präsident Bertsch schlägt Alarm: Der Faktor Arbeit wird immer teurer, Auslagerungen drohen. foto: Symbol VN/Steurer
IV-Präsident Bertsch schlägt Alarm: Der Faktor Arbeit wird immer teurer, Auslagerungen drohen. foto: Symbol VN/Steurer

IV-Präsident Bertsch fordert eine radikale Entlastung. Er sieht Gefahr für den Standort.

Schwarzach. Oft meldet er sich nicht zu Wort. Der präsident der Industriellenvereinigung, Hubert Bertsch, achtet sehr darauf, dass seine Statements nicht inflationär werden. Und deshalb haben seine raren Meldungen umso mehr Gewicht. Gegenüber den VN warnt er: „Die Analyse der Konjunkturumfrage der Vorarlberger Industrie über die letzten Jahre zeigt, dass auch der produzierende Bereich bei Weitem noch nicht über die schwierigste Zeit hinweg ist.“ Besonders deutlich zeige sich das, wenn man die Zeitreihe über den „Beschäftigtenstand in drei Monaten“ analysiere, wo seit zwei Jahren eine Negativtendenz erkennbar sei.

Bertsch: „Ein wesentliches Problem beim Halten von Beschäftigten oder der Neueinstellung von Beschäftigten ist die zu viel zu hohe Besteuerung. Den Mitarbeitern bleibt am Ende des Monats zu wenig netto vom Brutto. Bei jeder KV-Erhöhung bekommt der Mitarbeiter lediglich ein Drittel dessen, was das Unternehmen zahlen muss“, donnert der Industriellenchef in Richtung Wien. „Die Unternehmen können sich in Zukunft hohe Lohnabschlüsse zugunsten des Staates nicht mehr leisten“, stellt er im Gespräch mit den VN klar. „Vor allem sind unsere internationalen Kunden nicht mehr bereit, die dadurch überhöhten Preise zu zahlen.“ Daher müssten der Staat endlich drastisch reformiert und sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber steuerlich entlastet werden. „Neue Belastungen wie beispielsweise das Energieeffizienzgesetz sind für unsere Industrie ein wesentlicher Faktor, mehr Wertschöpfung in andere Länder verlagern zu müssen“, stellt er der Politik die Rute ins Fenster.

Trend zur Unsicherheit

Die Zahlen der IV bestätigen auch den internationalen Trend zur Unsicherheit: Produktionszyklen schwanken immer stärker, die Unternehmen müssen dementsprechend immer flexibler reagieren. Bertsch leitet daraus ab: „Wir können diese starken Schwankungen nur dann ­ausgleichen, wenn wir die Möglichkeit zu flexiblen Arbeitszeitmodellen haben.“ Das heiße nicht, mehr zu arbeiten, sondern zum richtigen Zeitpunkt zu arbeiten. Und dazu müsse die Entscheidungskompetenz auf betrieblicher Ebene angesiedelt werden. Das sichere auch Arbeitsplätze in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten.

Verlagerung ins Ausland

Sein alarmierendes Resümee nach dem Studium der Zahlen der letzten Jahre: „Noch können wir in Vorarlberg produzieren, aber die Unternehmen, welche durch die zu hohen Belastungen gezwungen werden, mehr Wertschöpfung ins Ausland zu verlagern, werden von Tag zu Tag mehr.“ Und auch für Vorarlberg gelte, dass überbordende Bürokratie, Vorschriften und zusätzliche Belastungen der Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts massiv schaden. „Statt sich mit langen Wahlkämpfen und lächerlichen, zum Teil peinlichen politischen Grabenkämpfen zu beschäftigen, sollen die Regierung und die Opposition die Bedingungen für einen attraktiven Industriestandort Österreich verbessern.“ Eines soll die Politik soll nie übersehen, betont er: „Eine ins Ausland verlagerte Produktion kehrt nie mehr zurück.“

Eine ins Ausland verlagerte Produktion kehrt nie mehr nach Österreich zurück.

Hubert Bertsch, IV-Präsident

Die Forderungen

» Arbeitnehmer und Arbeitgeber entlasten. Der produzierende Sektor ist noch lange nicht über schwierige Zeiten hinweg.

» Flexibilisierung am Arbeitsmarkt. Dadurch mehr Entscheidungskompetenz auf die betriebliche Ebene, um schwankenden Bedingungen gerecht zu werden.

» Keine teuren Wahlkampfversprechen auf Kosten des Standorts.