Das Lied vom Lohn

Markt / 29.03.2013 • 11:39 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gehaltsverhandlungen müssen nicht mit einem Schrecken enden.
Gehaltsverhandlungen müssen nicht mit einem Schrecken enden.

Gehaltsverhandlungen brauchen viel Fingerspitzengefühl.

Verhandlung. (VN-cro) „Ich bin Bruno Wolf, und seit 15 Jahren hier. Ich war immer pünktlich und habe meine Arbeit getan, Tag für Tag, und ich habe meinen Mund gehalten. Aber heute, heute muss es raus: Hey Boss, ich brauch’ mehr Geld!“ – Die erste Strophe von Gunter Gabriels Erfolgssong aus dem Jahr 1974 bringt ein Thema auf den Punkt, das damals so heikel war wie heute: Gehaltsverhandlungen. Dafür brauchte es vom Arbeitnehmer, aber auch vom Unternehmensvertreter ganz viel Fingerspitzengefühl. Der bekannte und einst so erfolgreiche Country-Sänger und Texter sang sich mit zehn Millionen verkauften Platten zwar die Karriereleiter hoch, für echte Gehaltsverhandlungen jedoch wird sich eine ernsthafte Taktik vermutlich mehr lohnen. Österreichs reichweitenstärkste Online-Jobbörse stellte dazu 588 Usern per Online-Voting die Frage: Was ist eure Taktik bei Gehaltsverhandlungen? Ergebnis: Der größte Teil der Arbeitnehmer ergreift die Initiative und bringt Gehaltsverhandlungen selbst aufs Tapet. Jeder Fünfte macht beim Lohn-Verhandeln sogar Druck und bleibt beim Aushandeln lästig.

Eigeninitiative ergreifen

Das Ergebnis des Stimmungsbildes unter Usern ist eindeutig: Wer im Job ein höheres Gehalt will, muss dafür selbst in die Offensive gehen. 58 Prozent der Befragten sprechen dieses heikle Thema im Mitarbeitergespräch an. Ein knappes Fünftel (19 Prozent) sagt sogar, dass nur ständiges Nachbohren zum Erfolg und somit zu mehr Geld am Lohnzettel führe. 18 Prozent überzeugen ihre Vorgesetzten beim Thema Gehalt mit guten Leistungen und warten darauf, dass die Lohnerhöhung von selbst kommt. Und lediglich fünf Prozent sind eigenen Aussagen zufolge mit ihrem Gehalt zufrieden.

Die Unternehmer-Seite

Das Jobportal wollte aber auch aus Unternehmersicht wissen, wie das heikle Gehaltsthema behandelt wird. Beim Großteil der Unternehmen (41 Prozent) kommt die Vergütung im Mitarbeitergespräch auf die Agenda. 29 Prozent der 241 befragten Führungskräfte, HR-Manager und Unternehmer machen das Gehalt von der jeweiligen Leistung abhängig. Jeder Fünfte (20 Prozent) hält jederzeit seine Tür für Gehaltsverhandlungen offen. Zehn Prozent sagen, dass es lediglich Gehalts-Vorrückungen nach Plan gebe. Auch wenn das Thema Gehalt nicht mehr die einzige bestimmende Größe im Verhältnis Arbeitnehmer–Arbeitgeber ist, so stellt es für viele die einzige quantifizierbare und vergleichbare Größe im Verhältnis zur eigenen Arbeitsleistung dar.

Mitarbeiter sollten daher in regelmäßigen Abständen die Chance haben, über ihre Entlohnung zu sprechen, da diese letztlich auch die Wertschätzung der Unternehmensführung ausdrückt. Selbst wenn keine Gehaltserhöhung im Raum steht, muss eine Führungskraft im eigenen Interesse plausibel erklären können, warum der jeweilige Mitarbeiter wie eingestuft ist. Denn dass unter befreundeten Kollegen über Geld gesprochen wird, ist nicht zu vermeiden. Nicht nachvollziehbare Unterschiede hingegen provozieren den Unmut in der Belegschaft.