Ist Geld das Ziel?

Markt / 29.03.2013 • 21:37 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die Entwicklung des gegenwärtigen Wirtschaftssystems stimmt immer mehr Menschen nachdenklich. Laut einer Umfrage der Bertelsmann-Stiftung wünschen sich bereits 90 Prozent der Menschen in Österreich eine „neue Wirtschaftsordnung“. Was passiert eigentlich? Wohin rennt die globale Wirtschaft? Was ist das Ziel von Märkten und ihren Akteuren?

Wenn ich in einer Handelsschule die Fünfzehnjährigen frage, was das Ziel des Wirtschaftens sei, kommt es wie aus einem Munde: „Geld“, „Gewinn“, „Profit“. Doch ist das wirklich das Ziel?

Wenn wir einen Blick in die Verfassungen wagen, was dort über die Zielsetzung des Wirtschaftens steht, werden wir fündig: „Alle wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl“, steht zum Beispiel in der bayerischen Verfassung. Saperlott, das weiß vermutlich kein einziger Jugendlicher heute. Und die 60% arbeitslosen Jugendlichen in Spanien würden das wohl als bitteren Zynismus werten.

Ich suchte weiter. Die italienische Verfassung will, dass „die öffentliche und private Wirtschaftstätigkeit nach dem Allgemeinwohl ausgerichtet werden“. Die Schweizer Verfassung gibt als Ziel die „gemeinsame Wohlfahrt“, die liechtensteinische die „gesamte Volkswohlfahrt“ und selbst in der US-Verfassung steht in der Präambel als Ziel „general Welfare“: Ludwig Erhart bezeichnete es als „Wohlstand für alle“, kurz: Gemeinwohl.

Mir ist keine Verfassung bekannt, in der Geld, Profit oder Kapital als Ziel des Wirtschaftens verankert wären. Als Mittel sehr wohl: „Kapitalbildung ist nicht Selbstzweck, sondern Mittel zur Entfaltung der Volkswirtschaft“, steht in der bayerischen Verfassung. „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll stets zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen“, bestimmt das deutsche Grundgesetz.

Doch wenn klar ist, was das Ziel und was das Mittel ist, sollten wir fragen, woran der Erfolg der Wirtschaft gemessen werden sollte. Heute messen wir wirtschaftlichen Erfolg am Finanzgewinn (Betriebswirtschaft) und am BIP (Volkswirtschaft). Beides sind Geld-Indikatoren, doch Geld ist nur das Mittel. Wollen wir wirtschaftlichen Erfolg am Ziel messen, dann müsste der Erfolg der Volkswirtschaft in so etwas wie einem Gemeinwohl-Produkt gemessen werden und der Erfolg eines Unternehmens in so etwas wie einer Gemeinwohl-Bilanz. Genaueres dazu nach den Ostertagen.

info@christian-felber.at
Der Salzburger Christian Felber ist freier Publizist und Autor,
der die Idee der Gemeinwohl-Wirtschaft vertritt.