Kfz-Werkstätten müssen ums „Pickerl“ fürchten

Markt / 29.03.2013 • 19:49 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Im Mai wird entschieden, ob Mechaniker in Kfz-Werkstätten nur noch Reparaturen durchführen dürfen. Foto: l. Berchtold
Im Mai wird entschieden, ob Mechaniker in Kfz-Werkstätten nur noch Reparaturen durchführen dürfen. Foto: l. Berchtold

EU-Initiative will Werkstätten die Durchführung von „Pickerl“-Überprüfungen verbieten.

Schwarzach. Braucht man ein „Pickerl“, kann man sich heute aussuchen, ob man sein Auto in der Fachwerkstatt oder bei einem Prüfdienst wie dem TÜV überprüfen lassen will. Geht es nach dem EU-Parlament, soll sich das aber bald ändern. Der deutsche CDU-Abgeordnete und Berichterstatter im Europaparlament, Werner Kuhn, hat einen Vorschlag eingebracht, der vorsieht, dass Werkstätten und Prüfer verpflichtend voneinander getrennt sein sollen. Das heißt konkret, eine Kfz-Werkstatt dürfte dann keine „Pickerl“-Überprüfung mehr durchführen, sondern nur mehr unabhängige Institute wie TÜV oder Dekra. Das will sich Österreich allerdings nicht bieten lassen. Die EU-Abgeordneten machen gegen eine Änderung des „Pickerl“-Systems mobil und haben Anträge im EU-Parlament eingebracht. Für Österreichs Kfz-Branche schätzt man das Umsatzminus auf 660 Millionen Euro. Vorarlberg wäre mit rund 33 Millionen betroffen. Für Gottfried Koch vom gleichnamigen Feldkircher Autohaus und Sprecher der Vorarlberger Kfz-Techniker kommt der Vorstoß überraschend. Die Betriebe hätten in den letzten Jahren viel Schulungsaufwand betrieben und Investitionen „von mehreren 10.000 Euro“ getätigt, um die Überprüfungen durchführen zu dürfen.

Schaden für Betrieb und Kunde

Die Qualität sei top, schließlich müsse auch jeder Meister oder Geselle, der Überprüfungen durchführt, alle drei Jahre eine Nachschulung machen. Allerdings sieht er den Schaden nicht nur für die 305 Kfz-Werkstätten in Vorarlberg gegeben, sondern auch für den Verbraucher. „Der Autobesitzer muss sich dann für einen Termin bis zu drei mal bemühen, und die Überprüfung wird sicher nicht billiger“, gibt Koch zu bedenken. Eine Unabhängigkeit sei auch bei Kfz-Werkstätten gegeben. Schließlich sei der Überprüfer haftbar und der Kunde könne selbst entscheiden, wo er reparieren lasse. Abgestimmt wird im Mai. „Wir hoffen das Beste. Schließlich haben wir in Österreich bereits eine gute Lösung“, so Koch.

Eine Änderung könnte die Überprüfung doppelt so teuer machen.

Gottfried Koch

Kfz-,,Pickerl“

Der Gesetzgeber schreibt für Pkw bis 3,5 t ab Erstzulassung eine Überprüfung nach drei Jahren vor, dann nach zwei Jahren, ab dann jährlich (Ausnahmen für Oldtimer). Bei Zweirädern jährlich. Die Werkstätten, die Überprüfungen durchführen, müssen über geeignete Einrichtungen verfügen und eine nachvollziehbare Dokumentation führen. Die Kfz-Techniker müssen regelmäßig Schulungen besuchen. Dies wird vom Gesetzgeber laufend kontrolliert. Eine Missachtung kann zum Entzug der Lizenz führen.