„Man muss selbst immer fest am Boden bleiben“

Markt / 29.03.2013 • 19:02 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Herta Strolz ist mit 78 Jahren nach wie vor jeden Tag im Geschäft. „Ich begrüße die Kunden und bedanke mich bei ihnen. Das ist nicht mehr selbstverständlich.“ Fotos: VN/Hofmeister
Herta Strolz ist mit 78 Jahren nach wie vor jeden Tag im Geschäft. „Ich begrüße die Kunden und bedanke mich bei ihnen. Das ist nicht mehr selbstverständlich.“ Fotos: VN/Hofmeister

Lech. Herta Strolz kam nach Lech, als der Ort noch weitaus unglamouröser war als heute. Ihrem Gespür für Mode ist es zu verdanken, dass das Sport- und Modehaus Strolz zu den exklusivsten Adressen gehört, wo auch gekrönte Häupter gerne einkaufen.

Die Familie Strolz hat in den 20er-Jahren mit Skischuhen angefangen. Heute ist das Haus international bekannt. Und Sie hatten einen großen Anteil daran.

Herta Strolz: Ich bin 1953 ins Sporthaus gekommen. Damals war es ein kleiner Laden mit vier Mitarbeitern. 1957 haben ich und Ulrich geheiratet und sind dann zum Einkaufen gefahren. Mein Mann hat immer schwarze und dunkelblaue Hosen gekauft. Da habe ich gesagt: „Ich glaube, du kleidest Trauerweiden ein.“ Seine Antwort war: „Dann mach es doch du.“ Von da an habe ich den Einkauf übernommen und bin sehr viel gereist.

Sie haben zu Hause von Anfang an im Gasthaus und in der Landwirtschaft mitgearbeitet. Waren das ideale Voraussetzungen, um eines der angesagtesten Modehäuser aufzubauen?

Strolz: Wir haben daheim sehr früh mit anpacken müssen. 1950 bin ich dann als Bedienung in den Gasthof Post nach Lech gekommen. Herr Strolz ist öfters vorbeigekommen und hat gefragt, ob ich nicht als Verkäuferin bei ihm anfangen möchte. Ich habe gesagt: „Das habe ich nicht gelernt.“ Er hat nur gemeint: „So wie Sie sind, werden sie sich das schon aneignen.“ Tatsächlich zählte ich nach drei Monaten zu den Spitzenverkäuferinnen. Wenn man verliebt in etwas ist und das mit Begeisterung macht, ist man auch erfolgreich.

Lech war aber nicht immer der noble Ort, der heute Prominenz aus aller Welt anlockt.

Strolz: Damals war in Lech zu Weihnachten Saison und dann wieder von Februar bis Ostern. Es sind aber viele elegante Damen ins Geschäft gekommen, und ich war so schlau, dass ich in der Umkleide nachgeschaut habe, welche Marken sie tragen. So bin ich zu vielen Firmen gekommen. Ich war immer darauf aus, Neuheiten und sehr schicke Sachen einzukaufen.

Sie haben das Programm kontinuierlich ausgebaut. Strolz hat mittlerweile ja weit mehr als nur Skimode.

Strolz: Das Geschäft hat sich enorm entwickelt. Dabei war der Aufbau des Ortes entscheidend. Die Hotels sind immer eleganter geworden und wir haben gewusst, wir müssen Schritt halten. Die Kunden kaufen keine Standardware, sondern ausgefallene Sachen, die sie nicht überall sehen. Ich habe dann langsam angefangen Mode einzukaufen und wir waren die Ersten mit Le-Copain- und Hermès-Seidentüchern. Heute decken wir sehr viel ab und der Kunde kann sich von Kopf bis Fuß einkleiden, vom Schuh bis zum Accessoire.

Haben Ihnen Ihr Schwiegervater und Ihr Mann immer vertraut?

Strolz: Sehr. Ich muss sagen, das war erstaunlich, weil ich oft fast das gesamte Vermögen auf den Kopf gestellt habe. Man muss sich vorstellen, was das bedeutet hätte, wenn es nicht hingehauen hätte. Zum Glück ist es immer gut ausgegangen. Aber es bereitet manch schlaflose Nacht, wenn die Ware kommt und noch kein Schnee liegt und kein Kunde da ist. Der Aufbau war nicht einfach und es geht nur mit beinhartem Einsatz, viel Liebe zum Beruf und Herzlichkeit. Wenn man begeistert ist, kann man sehr viel lernen. Geschenkt wird einem nichts.

Färbt das noble Geschäft ab? Hebt man ab, wenn man täglich mit Luxusartikeln zu tun hat?

Strolz: Man kann sich hineinversetzen, aber selber muss man immer am Boden bleiben. Worauf wir besonders stolz sind, sind die vielen Stammgäste, die zu Freunden geworden sind.

Sie arbeiten seit sehr vielen Jahren mit großem Engagement. Wird man nicht müde?

Strolz: Ich stehe heute noch täglich mit Begeisterung vorne, und es ist toll, mit welcher Herzlichkeit wir mit den Kunden verbunden sind. Das kann man sich nicht kaufen, das muss man erarbeiten. Und der Erfolg ist auch auf die vielen tollen, langjährigen Mitarbeiter zurückzuführen. Sie sind die Stützen des Hauses.

Gibt es Kunden, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?

Strolz: Ich habe bis auf Queen Elizabeth alle Königlichen bedient und betreut. Teilweise kommt schon die vierte Generation zu uns. Darauf bin ich stolz, weil es das nicht oft gibt. Die erste Persönlichkeit im Haus war der Schah von Persien, der Lederhose und Dirndl gekauft und allen Mitarbeitern Golddukaten geschenkt hat. Da waren wir sprachlos. Auch vom Königshaus von Jordanien bekommen wir immer Geschenke und waren auch schon dort eingeladen.

Was wünschen Sie sich für Ihr Modehaus?

Strolz: Mein großer Wunsch wäre, dass es in dritter bis vierter Generation weitergeht und das Haus auf dem Niveau bestehen bleibt. Das Aufbauen ist auch nicht leicht, aber das Halten ist noch viel schwieriger. Das erfordert viel Einsatz und viel Liebe zum Betrieb. Und mit 150 Mitarbeitern trägt man eine große Verantwortung.

Ich war immer der Meinung, der Schnee braucht Farbe. Denn er ist weiß und er bleibt weiß.

Herta Strolz vom gleichnamigen Sport- und Modehaus in Lech im Gespräch mit den Vorarlberger Nachrichten.
Herta Strolz vom gleichnamigen Sport- und Modehaus in Lech im Gespräch mit den Vorarlberger Nachrichten.

Zur Person

Herta Strolz

führte mit Ehemann Ulrich in zweiter Generation das Sport- und Modehaus Strolz in Lech und ist nach wie vor täglich im Geschäft

Geboren: 10.6.1934 in Tirol

Ausbildung/Laufbahn: Mitarbeit in der elterlichen Landwirtschaft und im Gasthaus im Tirol, 1950 zwei Wintersaisonen als Bedienung im Hotel Post in Lech, ab 1953 im Sporthaus Strolz, zunächst als Verkäuferin, später verantwortlich für den gesamten Einkauf

Familie: verwitwet, drei Söhne (Ambros, Daniel, Florian)