Kein Interesse an Alternativgeld

Markt / 04.04.2013 • 21:08 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die persönliche Bindung zum Bankberater spielt für Vorarlberger Unternehmen eine wichtige Rolle. Foto: vn/hartinger
Die persönliche Bindung zum Bankberater spielt für Vorarlberger Unternehmen eine wichtige Rolle. Foto: vn/hartinger

Vorarlbergs Unternehmen halten kaum nach alternativen Finanzierungen Ausschau.

Schwarzach. „Die Nachfrage nach Krediten“, sagt Bankensprecher Wilfried Hopfner, „bewegt sich derzeit gegenüber dem Vorjahr auf sehr niedrigem Niveau.“ Das sei aber nicht auf den Wunsch der Unternehmen nach alternativen Finanzierungsformen zurückzuführen, wie ihn 54 Prozent von 1700 österreichischen Unternehmen in der jüngsten Umfrage des Kreditschutzverbandes 1870 geäußert haben.

Johannes Nejedlik, Vorstand der KSV1870 Holding AG, analysiert dennoch: „Der Handlungsspielraum für Banken wird durch Reglementierungen mehr und mehr eingeschränkt, während Unternehmen – insbesondere KMU – rasch und unbürokratisch Liquidität brauchen. Der Ruf nach Alternativen ist nachvollziehbar, aber hier lauern auch Gefahren.“

Dieser Ruf ist in Vorarlberg aber noch weit weniger ausgeprägt. Hierzulande wünschen sich gerade einmal 33 Prozent eine alternative Finanzierungsform. „Bei uns ist die Kreditfinanzierung beliebter, denn wenn Unternehmer Eigenkapital hereinnehmen, haben sie auch das Problem, dass jemand mitreden will“, sagt Hopfner und führt aus: „Wir wollen lediglich eine offene Kommunikation und Transparenz, damit wir wissen, wie es den Kunden geht.“ Zudem gebe es in Vorarlberg keinen entwickelten Eigenkapitalmarkt. Unternehmer würden es bevorzugen, nach eigenen Entscheidungen handeln zu können.

Beschwerden über Sicherheiten

Ganz oben auf der Beschwerdeliste steht in der KSV-Umfrage, dass heutzutage mehr Sicherheiten verlangt werden (85 %). Auch Kredite, die – nach Meinung der Befragten – früher gewährt worden wären, würden heute abgelehnt (39 %). Vom Gesichtspunkt der Sicherheit her auf alternative Finanzierungsformen zurückzugreifen, genau da liege die Crux, glaubt Hopfner. „Denn auch da wollen Kapitalgeber Sicherheiten haben.“

Eigenmittel bevorzugt

Laut der 1700 befragten Unternehmen wird derzeit primär über Eigenmittel (62%) finanziert, daneben werden der Kontokorrentrahmen
(52 %) oder langfristige Kredite (34 %) genutzt – Letztere sind besonders häufig in der Industrie und im Gewerbe.

69 Prozent würden mit ihrer Hausbank „brechen“, wenn eine andere Bank ein besseres Kreditangebot auf den Tisch legt. „Die Bindung der Unternehmen an ihre Hausbank hat in Österreich eine lange Tradition. Die schwierigen Rahmenbedingungen in Finanzierungsfragen haben aufseiten der Unternehmen offensichtlich zu einer Flexibilisierung geführt“, fasst Roland Führer, Geschäftsführer der KSV1870 Information GmbH, das Ergebnis zusammen. Trotz allem sind zwei Drittel der Befragten (67 %) ihrer Hausbank gegenüber grundsätzlich loyal. Gründe hierfür sind die langjährige Geschäftsbeziehung, die persönliche Bindung bzw. die gute Beratung oder die bestehenden Konditionen. Auch die räumliche Nähe sei ein wichtiger Faktor.

Wir haben in Vorarlberg keinen großen Eigenkapitalmarkt.

Wilfried Hopfner

Bundesländervergleich

Alternative Finanzierungsformen gewünscht?

Bundesland Ja Nein

Burgenland 61 % 39 %

Kärnten 56 % 44 %

Niederösterreich 57 % 43 %

Oberösterreich 44 % 56 %

Salzburg 43 % 57 %

Steiermark 57 % 43 %

Tirol 57 % 43 %

Vorarlberg 33 % 67 %

Wien 57 % 43 %

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