Zu wenig Mittel und der große Boom

Markt / 04.04.2013 • 21:08 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Eine Erhöhung der Photovoltaik-Förderung bezahlen letztendlich die Konsumenten. Experten befürchten deshalb eine „Überförderung“.
Eine Erhöhung der Photovoltaik-Förderung bezahlen letztendlich die Konsumenten. Experten befürchten deshalb eine „Überförderung“.

Nachfrage größer als Angebot: Diskussion um Photovoltaik-Förderung per Losentscheid.

Schwarzach. „Ob man eine Förderung für seine Photovoltaikanlage bekommt, darüber soll künftig das Los entscheiden“, so hieß es in den vergangenen Tagen, was einen großen Aufschrei auslöste. Der Hintergrund: Ein Ansturm wie heuer zu Jahresbeginn, als unzählige Antragsteller das Computersystem der OeMAG durch Überlastung lahmlegten, soll künftig vermieden werden.

Das Ende also für das „first come, first served“-Prinzip? „Das Ministerium hat uns den Auftrag gegeben, eine Möglichkeit zu suchen, die ohne eine Gesetzesänderung umsetzbar ist“, betont Mag­nus Brunner, Vorstand der OeMAG Abwicklungsstelle für Ökostrom AG. Es sei nicht die Idee der OeMAG gewesen.

Alle gleich gereiht

Konkret sieht der Vorschlag vor, dass man künftig bis zum ersten Werktag im neuen Jahr die Möglichkeit hat, sein Förderansuchen einzureichen, und alle gleich gereiht werden. „Nur falls es zu viele Anträge gibt, erst dann käme es zur Verlosung“, so Brunner. Diese Vorgangsweise sehe das Gesetz jetzt schon vor. Nun liege das Vorhaben bei der E-Control zur Genehmigung.

„Absurd und unwürdig“

Die Nachricht einer möglichen Verlosung rief auch Kritiker auf den Plan. Der Präsident des Branchenverbandes Photovoltaic Austria, Hans Kronberger, findet das „absurd und unwürdig“. Die Grünen–Umweltsprecherin Christiane Brunner meinte dazu, die Photovoltaikförderung dürfe kein Glücksspiel sein.

„Ich verstehe die Reaktionen. Man muss das in Ruhe diskutieren. Wir haben aber nur die Aufforderung des Ministeriums ausgeführt“, gibt der OeMAG-Vorstand zu bedenken. Das Grundproblem liege darin, dass es zu wenig finanzielle Mittel gebe. Und für eine Anhebung der Mittel brauche es eine Gesetzesänderung.

Kosten beim Konsumenten

Allerdings, da gibt er Konsumentenschützern und Wirtschaftstreibenden recht, gebe es die Befürchtung, dass es zu einer „Überförderung“ wie in Deutschland komme, wenn man die Begrenzung aufhebt. Denn schließlich zahle ja der Konsument die Förderung, da müsse man auf eine soziale Ausgewogenheit achten. Und man habe bereits bei der letzten Gesetzesnovelle die Förderung massiv erhöht. „Letztlich stehen wir in einem Spannungsfeld. Einerseits gibt es zu wenig Mittel und andererseits einen regelrechten Run auf die Förderung“, so Brunner.

Insgesamt stehen für die Tarifförderung von Photovoltaikanlagen österreichweit acht Millionen Euro jährlich zur Verfügung. Dazu kommt noch ein Resttopf, den sich Photovoltaik, Wind und Wasserkraft teilen und der zehn Millionen Euro umfasst.

Man muss sehen, dass der Konsument die Förderung zahlt.

Dr. Magnus Brunner

Stichwort

Photovoltaik-Förderung

» Besitzer von Photovoltaik-Anlagen mit einer installierten Leistung von 5 kWp bis maximal 500 kWp können im Rahmen der verfügbaren Budgetmittel bei der OeMAG einen Antrag auf Förderung mittels gesetzlich festgelegter Einspeisetarife stellen. Diese Tarife werden mit einer Einspeise-Garantiedauer von 13 Jahren ausbezahlt.

» In Vorarlberg gibt es 1152 PV-Anlagen mit einer Leistung von 19,7 MW, die über 5 kWp groß sind und ihren Strom der OeMAG verkaufen. Zusätzlich gibt es 52 Anlagen mit einer Leistung von 2,2 MW, die bereits einen Vertrag haben, aber noch nicht in Betrieb sind. 2013 können nochmals 100 Anlagen mit einer Leistung von 6,1 MW einen Fördervertrag bekommen. Mehr Infos unter www.oem-ag.at.

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.