„Ich rate jedem zum Studium“

Markt / 05.04.2013 • 10:09 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Technische Studien bieten beste Berufsaussichten. Regine Bolter studierte Telematik.

Studium. (VN-cro) Von den rund 250 möglichen Lehrberufen wählt die Hälfte aller weiblichen Azubis lediglich aus drei Berufen aus: nämlich Bürokauffrau, Einzelhandelskauffrau oder Friseurin. Und ähnlich verhält sich die Situation auch bei der Wahl des Studiums. Während sich 40 Prozent aller Studienanfängerinnen für Geisteswissenschaften entscheiden, sind technische Studienrichtungen, wie etwa Mechatronik, mit nur fünf Prozent weit weniger gefragt. Regine Bolter, Studiengangleiterin Informatik an der FH Vorarlberg, hat sich für ein Telematikstudium an der TU Graz entschieden. Die 42-Jährige erzählt von ihrem beruflichen Weg und gibt im Interview Tipps an Maturanten.

Warum haben Sie sich für ein Telematik-Studium entschieden? Hatten Sie schon konkrete berufliche Ziele?

Bolter: Meine Matura hab ich an der HTL Rankweil im Bereich Elektonik & Nachrichtentechnik abgelegt. Das Studium der Telematik an der TU Graz war inhaltlich eine gute Fortsetzung. Ich wollte mich in dem Bereich weiter qualifizieren und dann auch in diesem Bereich arbeiten.

Welche Herausforderungen bringt ein technisches Studium mit sich?

Bolter: Man muss wirklich bereit sein, komplexe Dinge auch verstehen zu wollen. Gerade abstraktes Denken ist eine Fähigkeit, die man dafür braucht, und die man nur entwickeln kann, wenn man entsprechend viel Zeit in Übungen (Mathematik, Programmieren etc.) investiert.

Was ist für Ihren beruflichen Erfolg entscheidend?

Bolter: Breites Fachwissen im Bereich der Informatik, Leistungsfähigkeit, Umsetzungsvermögen und das Talent, Leute führen zu können. Aber auch die gute Vernetzung im wirtschaftlichen Umfeld kam mir zugute. Als junger Mensch unterschätzt man oft den tatsächlichen Wert von Netzwerken aus der Schule und aus dem Studium, die für den Beruf später wichtig sind. Das spricht dafür, entweder gleich in der Region zu studieren (FHV) oder die traditionellen Studienorte wie Innsbruck, Wien, Graz für die Technik, zunehmend München und Zürich zu wählen. Weiter weg kann man im Auslandssemester und im Masterstudiengang immer noch.

Welchen Berufswunsch hatten Sie in Ihrer Kindheit?

Bolter: Bankangestellte – Zahlen und Computer haben mich schon als Kind fasziniert.

Wenn Sie ein 18-Jähriger um Rat fragen würde, ob er sich für ein Studium entscheiden soll und wenn ja für welches? Was würden Sie ihm raten?

Bolter: Ich rate jedem nach der Matura auch noch ein Studium zu beginnen. Insbesondere allen Vorarlbergern, weil wir bei der Übertrittsquote in ein Studium österreichweit immer noch mit Abstand Schlusslicht sind. Es gibt mittlerweile sehr viele gute Angebote, berufsbegleitend erst etwas später ins Studium einzusteigen. Ich ziehe meinen Hut vor allen, die diese Doppelbelas­tung erfolgreich meistern. Aber wenn es die Chance gibt, direkt einzusteigen, dann würde ich das immer bevorzugen. Die Frage, welche Studienrichtung man studiert, halte ich für gar nicht so entscheidend, ich würde es vermeiden, sich im Bachelorstudium schon zu sehr zu spezialisieren. Dafür sind die Masterstudiengänge da. Entscheidend ist die Grundrichtung. Technische Studiengänge haben nach wie vor die besten Berufsaussichten, mit Wirtschaftswissenschaften liegt man auch nie falsch.

Das Studium sei die schönste Zeit des Lebens. Was hat Ihnen während des Studiums am besten gefallen?

Bolter: Das Studium war tatsächlich eine sehr schöne Zeit, ich war nur für mich selbst verantwortlich, das bringt viele Freiheiten, z.B. wann man lernt, womit man sich beschäftigt und wann man auch mal ausschlafen kann. Durch das Lernen entwickelt man sich tatsächlich enorm weiter, das gilt auch für das gesamte Umfeld, da ergeben sich gute Diskussionen, aber auch Platz, Dinge auszuprobieren etc. Schön ist auch, dass man doch laufend Erfolge in Form von Prüfungen feiern kann, den Fortschritt im Studium also auch dokumentieren kann.

Zahlen und Computer haben mich schon als Kind fasziniert.

Regine Bolter

Zur Person

Regine Bolter

Alter: 42

Beruf: Studiengangsleiterin Informatik an der FH Vorarlberg GmbH

Universität: TU Graz

Berufsbezeichnung: Telematik

Akademischer Grad: Dipl.-Ing. Dr. techn.

Titel der Diplomarbeit: Simulationsgestützte Auswertung von SAR-Bildern unter besonderer Berücksichtigung von Layover

Dissertation: Buildings from SAR: Detection and Reconstruction of Buildings from Multiple View High Resolution Interferometric SAR Data

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.