„Stimmt die Qualität, kommt der Preis später“

Markt / 05.04.2013 • 18:58 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Gerhard Lucian übernahm das Burghotel von seinen Eltern. Seitdem führt er erfolgreich die Geschicke des Hauses, das Sommer wie Winter für seine internationalen Gäste geöffnet hat. Fotos: VN/Hofmeister
Gerhard Lucian übernahm das Burghotel von seinen Eltern. Seitdem führt er erfolgreich die Geschicke des Hauses, das Sommer wie Winter für seine internationalen Gäste geöffnet hat. Fotos: VN/Hofmeister

Oberlech. Die Familie Lucian zählt zu den Lecher Hoteliersfamilien, die durch Innovationen für den Ort Lech bzw. „ihren“ Ortsteil Oberlech auf sich aufmerksam gemacht haben.

Was macht einen guten Gastgeber aus?

Gerhard Lucian: Ein guter Gastgeber ist beim Gast und weiß, was er wünscht. Und er versucht, ihm auch Wünsche, die er sich nicht getraut zu äußern, von den Augen abzulesen.

Und das gelingt Ihnen sehr gut.

Lucian: Wir haben ein sehr internationales Publikum, das weltweit unterwegs ist. Und da sind wir sicher auf dem richtigen Weg. Man muss als Hotelier selber reisen und Mitbewerber besuchen, damit man weiß, was verlangt wird. Schlussendlich geht es darum, das zu finden, womit der Gast zufrieden ist und bereit ist, Geld dafür auszugeben. Wenn man Qualität bietet, kommt der Preis erst viel später.

Hat da Lech als Destination nicht eine Ausnahmeposition?

Lucian: Ich habe viele Bekannte in Restösterreich und da werde ich oft darauf angesprochen. „Ihr könnt das verlangen.“ Aber ich sage, wir bieten auch die Qualität dafür. Wenn man Qualität nicht bieten kann, weil es der Gast nicht bezahlt, nutzt es nichts. Dann komme ich finanziell nicht durch. Aber Gäste, die international unterwegs sind, wissen einen hohen Standard zu schätzen und wissen auch, dass das mehr kostet. Da sind wir in Lech sehr gut aufgestellt.

Gehen Ihre Gäste auch in andere Skigebiete?

Lucian: Ja, die kennen sich schon aus. Es gibt Stammgäste, die kommen drei bis vier Mal pro Winter zu uns und es gibt die, die kommen einmal nach Lech und gehen ein zweites und drittes Mal nach St. Moritz oder Ischgl. Bei uns ist Erholung angesagt und das ist gut für den Wintertourismus.

Sie selbst sind im Hotel aufgewachsen. Was hat sich in den letzten Jahren verändert?

Lucian: Es hat sich langsam weiterentwickelt. Bis vor 15 Jahren hat man die Größen der Häuser erreicht. Nun haben wir einen Bettenschwund. Wenn man Qualität bieten will und nicht mehr größer werden kann, muss man Abstriche machen. Das ist schmerzhaft, gerade finanziell. Deshalb kann man nur in Qualität investieren, damit für den Mehrwert mehr bezahlt wird und die Banken ihr Geld bekommen.

Sie haben gerade in Oberlech viel investiert. Wie kam es zu der Idee, ein Tunnelsystem und ein Heizwerk zu errichten?

Lucian: Das ist eines der wenigen Biomasse-Heizwerke, das den Angeschlossenen gehört. Wir haben keinen Fremdfinanzier dabei und regeln den Heizpreis mit der Wirtschaftlichkeit. Damit können sich alle identifizieren. Das Tunnelsystem brauchte sehr viel Vorarbeit. 1982 hatte mein Vater die Idee, aber es hat fünfzehn Jahre gebraucht, um alle zu überzeugen. Jetzt sind 1000 Betten angeschlossen und es bedeutet einen deutlichen Mehrwert für Oberlech. Früher hat es geheißen, Zimmer sind nur noch in Oberlech frei, mittlerweile sind wir die bestausgebuchteste Parzelle in Lech.

Viele Kinder aus Hoteliersfamilien brechen aus dieser Rolle aus. Haben Sie auch daran gedacht oder war es für Sie immer klar, das Hotel zu übernehmen?

Lucian: Wir sind drei Brüder. Mein älterer Bruder ist nach Salzburg, wo seine Frau ein Hotel übernommen hat. Damals ist der Wellnessboom aufgekommen und wir haben uns gefragt, stellen wir den Betrieb um oder machen wir etwas Neues. Daraus ist das Burgvital Hotel entstanden, das mein jüngerer Bruder führt. Ich will nicht sagen, dass ich übrig geblieben bin, aber ich bin seit 35 Jahren im Betrieb und habe das Geschäft von der Pike auf gelernt. Ich habe sämtliche Stationen durchgemacht bis der Zeitpunkt kam, das Hotel zu übernehmen.

Sind Ihre Kinder auch im Hotel?

Lucian: Beide Kinder haben es gelernt. Meine Tochter studiert noch, mein Sohn ist im Betrieb und hilft tatkräftig. Das ist eine Stütze, das kann man gar nicht beschreiben. Eigene Kinder denken so wie man selber, da muss man nicht lange diskutieren. Wenn Kinder gewillt sind, einen Betrieb weiterzuführen, sind sie gleich mit stärkerem Elan dahinter.

Wie entwickelt sich der Tourismus am Arlberg? Welche Pläne haben Sie für Ihr Haus?

Lucian: Die Zukunft ist nicht einfach. Viele finanzstarke Menschen haben Angst, ihr Geld zu verlieren und investieren in Immobilien an einem guten Platz wie bei uns. Das ist unser Nachteil. Einige Lecher verkaufen relativ schnell, weil sie so schnell nie Geld verdient haben.

Der unternehmerische Druck ist hoch. Gute Mitarbeiter sind schwierig zu bekommen, Investitionen werden von Mitbewerbern und Gästen erwartet. Wie gehen Sie damit um?

Lucian: Ich versuche, die Mitarbeiter das ganze Jahr zu beschäftigen und entsprechende Unterkünfte zu bieten. Das ist finanziell eine große Aufgabe, wenn man die Grundstückspreise kennt. Ein Hotel zu bauen, wenn man den Grund kaufen muss, kann sich nie rechnen, auch mit hundertprozentiger Auslastung nicht.

Meine Frau ist sehr wichtig. Vieles ist leichter, wenn man sich auf seinen Partner verlassen kann.

Das VN-Gespräch mit Hotelier Gerhard Lucian fand im schönen Ambiente seines 4-Sterne-Superior-Hauses – dem Burghotel in Oberlech – statt.
Das VN-Gespräch mit Hotelier Gerhard Lucian fand im schönen Ambiente seines 4-Sterne-Superior-Hauses – dem Burghotel in Oberlech – statt.

Zur Person

Gerhard Lucian

Eigentümer und Geschäftsführer des Vier-Sterne-Superior-Hotels Burghotel in Oberlech, Gesellschafter des Fernwärme-Heizwerkes Oberlech

Geboren: 21. 5. 1963

Ausbildung/Laufbahn: Ausbildung zum Koch, Diplomarbeit über das Tunnelsystem in Oberlech, verschiedene Stationen im Ausland, Übernahme des Hotels von den Eltern Helga und Fridolin Lucian.

Familie: verheiratet mit Elisabeth, zwei Kinder: Sohn Christian (22), Tochter Marlene (24)

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