„Eigentlich wollte ich immer Rockstar werden“

Markt / 12.04.2013 • 18:59 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Markus Kopf an seinem Flughafen Altenrhein vor einer Embraer 170, die kurz vor ihrem Abflug nach Wien stand. Foto: D. stiplovsek
Markus Kopf an seinem Flughafen Altenrhein vor einer Embraer 170, die kurz vor ihrem Abflug nach Wien stand. Foto: D. stiplovsek

DORNBIRN. Markus Kopf ist Unternehmer und Investor. Sein Engagement verteilt sich dabei auf mehrere Standbeine. Für Aufsehen sorgte der Röthner vor allem durch die Übernahme des Flughafens Altenrhein und durch den Aufbau der Fluglinie People’s Viennaline. Im Interview mit den VN spricht er über den anfänglichen Gegenwind, aber auch über seine spannenden Engagements auf ganz anderem Terrain.

Herr Kopf, seit dem 1. April steht eines Ihrer Unternehmen, die People’s Viennaline, unter verstärkter Beobachtung. Eine ungewohnte Rolle für Sie?

Kopf: Ich glaube nicht, dass das erst seit April so ist, sondern schon die letzten zwei Jahre der Fall war. Grundsätzlich mag ich das als Person nicht so, aber erfreulich ist, dass es eigentlich die People’s Viennaline ist, die in der Öffentlichkeit steht.

Als Sie 2011 gestartet sind, haben noch drei Fluggesellschaften um die Strecke nach Wien gerittert, nun sind Sie alleine in der Luft. Haben Sie damit gerechnet, dass es so schnell geht?

Kopf: Als wir zu zweit geflogen sind, wussten wir, dass irgendwann der Zeitpunkt kommen wird, an dem wir alleine fliegen. Wirtschaftlich macht es schlichtweg keinen Sinn, wenn zwei Anbieter auf dieser Linie fliegen.

Als Sie erst den Flughafen Altenrhein kauften und dann ins Fluggeschäft eingestiegen sind, wurden Sie von nicht wenigen als verrückt bezeichnet. Verspüren Sie Genugtuung?

Kopf: Ich freue mich, dass wir Erfolg gehabt haben. Ich freue mich, dass mein Team es geschafft hat, innerhalb von einem halben Jahr eine Airline von null auf Flugbetrieb aufzustellen. Dass wir zwei Jahre mit wenigen Ausnahmen jeden Flug geflogen sind. Ich bin einfach nur stolz darauf, was das ganze Team erreicht hat.

Ein bisschen Genugtuung?

Kopf: Nein. Genugtuung ist mir fremd.

Worauf müssen sich die Wien-Flieger in Zukunft einstellen respektive dürfen sie sich freuen?

Markus Kopf: Sie dürfen sich freuen, dass der beste, schnellste und komfortabelste Anbieter überlebt hat. Und der Kunde darf sich freuen, dass wir unsere Preise nicht wild treiben lassen. Wir reden mit jedem Kunden persönlich. Das hat es vor drei Jahren nicht gegeben. Jeder kann seine Anliegen bei uns deponieren und wir kümmern uns darum.

Heißen Sie darum People’s?

Kopf: Zum Teil. Der Flughafen hieß erst Flughafen Altenrhein, den kein Mensch auf der Welt gekannt hat. Um den Bekanntheitsgrad zu steigern, haben wir einen Namen gewählt, der englisch ist, aber in der deutschen Region akzeptiert wird. Das hat super funktioniert. Zum Zweiten mussten wir einen internen Prozess auslösen. Da wir weder den schönsten Flughafen noch die längste Landebahn haben, müssen wir die Leute einsetzen. Bei uns gibt es Leute, die für Leute Dienstleistungen erbringen.

Sie sind ja nicht nur im Fluggeschäft. Sie haben sich mit Textilfirmen ebenfalls ein nicht gerade einfaches Terrain ausgesucht. Warum ausgerechnet der Textilsektor?

Kopf: Vor 20 Jahren ging die Firma Rueff in Muntlix pleite. Ich habe damals diese Firma gerettet. Es gab 70 Beschäftigte. Es ist kein riesen Geschäft, aber es kostet mich kein Geld. Es war für mich damals die erste industrielle Präsenz im Land und ich habe es wegen den „People’s“ gemacht, die ich gut gekannt habe. Die zweite textile Präsenz ist die Firma Capo. Das ist das erste Markenunternehmen, das ich leite, was mich von dieser Seite her gereizt hat.

Neben dem Flughafen und den Textil-Unternehmen sind Sie ja auch noch in Wien tätig …

Kopf: Genau. Mein stolzestes Engagement parallel neben dem Flughafen ist die Firma Symphonic Library. Unser bekanntester Kunde war Michael Jackson. Von ihm abwärts ist jeder, der im Musik-Geschäft tätig ist, Kunde.

Was macht denn die Vienna Symphonic Library genau?

Kopf: Wir haben das Symphonie-Orchester aufgenommen und stellen diese Töne den Musikern und Tonstudios zur Verfügung. Eigentlich sind wir die Instrumente. Wenn einer mit Computer und Tastatur umgehen kann, dann kann er mit unserer Hilfe auf einmal Oboe, Geige oder Klarinette spielen. Mit dieser Library wird vor allem Filmmusik gemacht. Mit dieser Firma sind wir Weltmarktführer von Japan bis Los Angeles. Der Hauptmarkt ist Hollywood.

Das klingt nach einer Software-Firma …

Kopf: Der erste Schritt war, dass wir das gesamte Orchester aufgenommen haben. Früher hat die größte Library 8000 Töne gehabt. Wir sind mit 1,5 Millionen am Markt. Unser nächster Schritt war, dass wir Software zur einfacheren Verwendung gemacht haben. Wir sind heute zu drei Viertel Software-Unternehmen und zu einem Viertel noch diese Sound-Bibliothek. Aber angefangen hat es mit den Sounds.

Dann waren Sie immer schon musikaffin?

Kopf: Ich war immer sehr musikaffin, aber leider nicht für klassische Musik, sondern Rock. Ich wäre gerne Rockstar geworden, hatte aber leider kein Talent dafür. Es freut mich, dass diese Firma sich als Start-up etabliert hat. Ich habe an die Leute und an die Idee geglaubt und da ist etwas draus geworden.

Es klingt fast, als hätte alles geklappt, was sie angefasst haben.

Kopf: Im Gegenteil. Man muss einiges im Leben machen, damit man ein paar Treffer landet. Viele Dinge fängt man an, weil es super ist, aber das echte Leben zeigt dann, dass alles nicht so einfach ist. Das Wichtigste, was ich gelernt habe, ist: Es kommt weniger auf die Idee an als auf die Leute, die dahinter stehen.

Man muss viele Dinge im Leben machen, damit man ein paar Treffer landet.

Markus Kopf

Zur Person

Markus Kopf

Unternehmer und Investor

Geboren: 9. April 1955

Ausbildung: HAK Feldkirch, BWL-Studium an der Universität in Innsbruck

Laufbahn: 2010 Gründung der Airline People’s Viennaline. 2008 Kauf der Hälfte des Flughafens Altenrhein. 2001Mitgründer Vienna Symphonic Library. 2000 Kauf von Capo Headwear. 1996 Kauf der Schweizer Firma Rueff Textil. 1989 Verkauf der Alltac an Alco Group. 1983 Alltac, Hersteller von Verpackungsklebebändern (USA). Neben dem Studium schon die Stickerei der Eltern geführt.

Familie: verheiratet, 3 Kinder

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