Ein Markt auf Überholkurs

Markt / 12.04.2013 • 19:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein Markt auf Überholkurs

Vorarlberger Exporte in die Türkei auf Höhenflug. Dennoch: viel Potenzial ungenutzt.

SCHWARZACH. Viele Jahre wartete die Türkei mit einem Wirtschaftswachstum auf, das für europäische Verhältnisse nahezu utopisch erschien. 2011 hatte das Wachstum satte 8,5 Prozent betragen. Doch 2012 ist das Wachstum in der Türkei eingebrochen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) hat nur noch um 2,2 Prozent zugelegt. Ökonomen rechnen aber für das laufende Jahr schon wieder mit einem Wachstum von 4,5 Prozent.

Logisch also, dass Vorarlberger Unternehmen bestrebt sind, ihr Engagement im Balkan-Staat auszubauen. Eines davon ist Meusburger Formaufbauten in Wolfurt. „Wir sind in der Türkei seit rund zwei Jahren mit einer eigenen Verkaufsniederlassung vertreten. Wir rechnen, dass wir in zwei bis drei Jahren den Markt voll erschlossen haben“, erklärt Geschäftsführer Guntram Meusburger und führt aus: „Wir sind vom sehr großen Potenzial am türkischen Werkzeug- und Formenbau-Markt überzeugt.“

Wie Meusburger aber auch erklärt, gebe es Märkte, in denen es einfacher ist Fuß zu fassen. „Das Spezielle an der Türkei ist sicherlich zum einen die geografische Distanz und zum anderen der Umstand, dass wir eine eigene Niederlassung gründen mussten. Das ist in allen anderen europäischen Ländern einfacher“, sagt Meusburger.

Planungssicherheit fehlt

Mit dieser Meinung steht er nicht alleine da. Auch die Rhomberg-Sersa Railgroup ist schon seit einigen Jahren in der Türkei tätig. „In diesem Land ist es sehr schwierig, richtig zu planen. Unserer Meinung nach ist das in der Türkei eine Mentalitätsfrage“, sagt Geschäftsführer Dirk Diederich. Auch wenn man bei der Rhomberg-Tochter der Auffassung ist, dass der Boom dort weitergehe, wird man daher aber dennoch vorsichtig agieren. „Dass das Wachstum im vergangenen Jahr derart geschrumpft ist“, sagt Diederich „haben wir in unserem Bereich nicht gemerkt.“

Im Bahnbereich tätig ist teilweise auch Getzner Werkstoffe. Dort würde man den türkischen Markt mit Interesse beobachten, heißt es aus Bürs. Der infrastrukturelle Bereich würde noch in den Kinderschuhen stecken und auf das Land daher große Herausforderungen in den nächsten Jahren zukommen.

„Es gibt für Vorarlberger Unternehmen in der Türkei noch viel zu holen. Viel Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft“, erklärt Christina Marent, zuständig für Außenwirtschaft in der Wirtschaftskammer, im VN-Gespräch und verweist auf das Absatz-Markt-Ranking der Vorarlberger Wirtschaft. Dort rangiert die Türkei mittlerweile an 16. Stelle. Tendenz steigend. Denn: Mit Ausnahme des Krisenjahres 2009 haben die Exporte von Vorarlberg in die Türkei eine durchgehende Steigerung erfahren. Wurden zur Jahrtausendwende noch Waren im Wert von 23 Milliarden Euro in die Türkei verschifft, belief sich der Export 2011 (die jüngsten Zahlen, die vorliegen, d. Red.) auf 96 Mrd. Euro – was allein zum Vorjahr ein Plus von 13,3 Prozent bedeutete.

Dass die Exporte an den Bosporus weiter steigen, dürfte wahrscheinlich sein. Denn: Nach Branchenangaben will die Türkei bis zum Jahr 2023 weltweit zum fünftgrößten Maschinen-Exporteur aufsteigen. Wie die türkische Exportvereinigung für Maschinenbau und Zubehör MAIB erst jüngst bekannt gab, peilt die Regionalmacht am Bosporus dann Maschinenexporte im Wert von 100 Milliarden Dollar an.

2023 wird sich die Gründung der türkischen Republik zum 100. Mal jähren. Zur Zeit liegt die Türkei nach diesen Angaben auf Platz 27 der größten Maschinenhersteller weltweit. Und von diesem Vorhaben getrieben wird die Türkei auch verstärkt auf das Know-how Vorarlberger Betriebe zurückgreifen.

Wir sind vom großen Potenzial am türkischen Markt überzeugt.

Guntram Meusburger

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