„Grenzen sind erreicht“

Markt / 24.04.2013 • 21:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Renommierte Unternehmen wie Rhomberg Bau gehören zu den Pionierbetrieben der Gemeinwohlökonomie in Vorarlberg. Foto: Rhomberg Bau
Renommierte Unternehmen wie Rhomberg Bau gehören zu den Pionierbetrieben der Gemeinwohlökonomie in Vorarlberg. Foto: Rhomberg Bau

Gemeinwohlgedanke greift auch in Vorarlberg um sich. Jetzt ist auch eine Bank dabei.

Hohenems. Die Gruppe der Unternehmen, die sich der Gemeinwohlökonomie verschrieben haben, ist wieder gewachsen. Am Mittwoch präsentierten sich sieben neue Mitgliedsfirmen in der Werkstätte der Spenglerei Tectum in Hohenems und schilderten ihre Beweggründe, warum sie sich diesem alternativen Wirtschaftsmodell verschrieben haben.

Und es sind renommierte Unternehmen, die eine andere Art der Ökonomie leben wollen. Die Raiffeisenbank Lech, eines der größten Institute des Raiffeisensektors in Vorarlberg, wird heuer als erste Bank überhaupt eine Gemeinwohlbilanz legen, wie Bankvorstand Georg Gundolf berichtete. Und er erzählte auch, wieso die Banker einen neuen Kurs einschlagen: „Unser Wirtschaftssystem hat seine Grenzen erreicht, irgendwann wächst sich alles einmal aus“, sei die Erkenntnis des Dreiervorstands gewesen. Die nächsten Schritte waren klar. Nach einem Vortrag über Gemeinwohlwirtschaft habe man beschlossen, diesen Weg einzuschlagen. Ein Schritt folgte dem anderen – und heuer wird Bilanz gelegt. Drei Stunden sind vorgesehen, um mit den ­Genossenschaftsmitgliedern nicht nackte Zahlen zu dis­ktutieren, sondern über die wichtigen Dinge: Einsatz für die Gesellschaft etwa, zum Beispiel die Stunden, die für die Arbeit in Vereinen aufgebracht werden. „Dafür haben wir eine eigene Stelle in der Bank.“ Das Interesse bei den Lechern sei jedenfalls groß.

Auch der Innungsmeister der Vorarlberger Spengler, Joachim Entner, ist heuer der Regionalgruppe Vorarlberg beigetreten und kann sich mit den Kollegen der Firma Tectum über spezifische Umsetzungsmöglichkeiten unterhalten. Spengler Emanuel Schinnerl, Fa. Tectum: „Das gemeinsame Lernen ist viel angenehmer.“ Nichtsdestotrotz sei man nach wie vor Mitbewerber am Dachmarkt. Für Anne Schinnerl, Chefin des 34-Mitarbeiter-Betriebes, war der Prozess vom konventionellen Betrieb zum Gemeinwohlwirtschafter eine spannende Erfahrung.

Großes Interesse von Betrieben

Die Gemeinwohlwirtschaft sehe sich als „ein Wirtschaftsmodell für die Zukunft“, so der Sprecher der Gruppe, Kurt Hämmerle, vom Vorarlberger Energieinstitut. Es läge den Mitgliedern wie den Initiatoren fern, jemanden dieses Modell aufzuzwingen, stellt er klar, da es durchaus heftige Kritik an dem Modell gebe. Es sei eine Möglichkeit, Wirtschaft neu zu gestalten und Antworten auf die wirtschaftspolitischen Herausforderungen zu finden. Eine Diskussion sei selbstverständlich erwünscht, und deshalb lädt die Gruppe auch zu Veranstaltungen ein, etwa am 6. Mai zum Vortrag Marketing 3.0 meets Gemeinwohlökonomie – neue Ziele für zukunftsfähige Unternehmen“ ins WIFI Dornbirn, bei dem Betriebe über ihre Erfahrungen berichten.

Die Gruppe soll weiter kräftig wachsen. Koordinatorin Susanna Ajkovic: „Wir haben zahlreiche Anfragen.“ Auch Gemeinden sind Mitglied. Genau das wünscht sich auch Raiffeisen-Direktor Gundolf, nämlich „dass Lech zur Gemeinwohlgemeinde wird“.

Gemeinwohlfirmen

Mitgliedsunternehmen

» Dorfelektriker, Götzis

» Dorfinstallateur

» Energieinstitut Vorarlberg

» Engel und Brotzge OEG

» Gartenbau Angeloff

» Gruber+Haumer Landschaftsarchitektur.OG

» KAIROS Wirkungsforschung und Entwicklung

» Müller Wohnbau

» Rhomberg Bau, Bregenz

» walchbewegt gmbh

» Weltladen Wolfurt

» Aquamühle Frastanz

» Moser – Beratung für Menschen in Unternehmen

» Entner Dach

» Kommunikationsagenur WEGweisER

» Müller Ofenbau

» Raiffeisenbank Lech

außerdem:

» ca. 200 Privatpersonen,

» achtköpfiges Organisationsteam

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